Hallo!
Zunächst einmal muß ich mich gleich dafür entschuldigen, daß ich im Moment noch nicht weiß, ob ich hier eine detailgetreue Frage stellen kann oder nur Frustschreiben betreibe.
Also:
Ich bin im 3. Ausbildungsjahr (Krankenpflege), stehe aus praktischen Beurteilungen mit einem Einser-Durchschnitt da, theoretisch im Zweier-Bereich und bin auf meinen bisherigen Stationen gern gesehen. Sowohl unter den Patienten, als auch bei Pflegepersonal und MitschülerInnen.
So weit, so gut, könnte man meinen. Denkste!
Auf meiner letzten Station hatte ich ziemliche Probleme, die ich nicht zugeben "darf", weil ich sonst wegen "psychischer Nicht-Eignung" das Examen nicht ablegen darf.
Um das mal etwas näher zu erklären:
1. Ich bin sowohl Mißbrauchs- als auch Mehrfach-Vergewaltigungsopfer. Das kann ich auch nur hier im anonymen Internet so locker, flockig mit zitternden Fingern schreiben. Sagen kann ich das nicht. Allein daran zu denken verursacht mir im Moment Übelkeit.
2. Bislang bin ich mit diesem Teil meiner Vergangenheit ganz gut zurecht gekommen. Während des Einsatzes in der Gyn kam ich allerdings zunehmend in die Situation, daß mir bei der Pflege der Patientinnen schlecht wurde, mir Schwarz vor Augen wurde und ich leichtere Panikattacken bekam. Mir wurde vorgeworfen und überwiegend über Dritte mitgeteilt, ich könne nicht pflegen, würde das Examen nicht schaffen und sei eine Katastrophe schlechthin- dem muß ich leider, was diese Station betrifft, zustimmen.
3. Ende Januar '06 bin ich zum Psychiater gegangen. Ich sah mich völlig am Ende.
Z.n. Suizidversuch vor 6 Jahren (nach den Vergewaltigungen und diverser familieninterner Intrigen), akut wieder einsetzende Suizidgedanken durch die Situation auf Station, dauernde Kopf- und sonstige ursachenlose Schmerzzustände, Ein- und Durchschlafstörungen mit stundenlangem nächtlichen Wachliegen bzw. morgendlichem Früherwachen gegen 2 oder 3, bestenfalls 4 Uhr ohne wieder an Schlaf denken zu können.
Mißbrauch und Vergewaltigung habe ich übrigens als nicht weiter beeinflussend bezeichnet (Mißbrauch), bzw. völlig abgestritten (Vergewaltigung). Ich hab auch verschwiegen, daß ich auf Station Panikattacken bekommen habe und mir bei der Versorgung der Patientinnen übel wurde.
Soviel Vertrauen hatte ich einfach noch nicht.
4. Ich bekam Mirtazapin 30mg (ich nehme seit 31. März 45mg, weniger hilft mir einfach nicht), vier Einzeltabletten Tavor expidet (nur für die Prüfungstage und ich hab nur eine an einem der 2 Prüfungstage genommen), die Handynummer des Arztes und wöchentliche Nachschautermine.
Letztendlich sogar ein fachärztliches Attest, daß ich auf jener Station nicht mein Examen machen sollte.
5. Knall auf Fall schlugen meine Bemühungen die Station noch kurzfristig zu wechseln fehl.
Die Schule ging davon aus, daß ich, mit einem Einser-Durchschnitt gesegnet, ja nur Prüfungsangst hätte. Es hatten schon mehrere Gespräche zwischen Schule und Station stattgefunden, trotzdem sollte mir ein weiteres den ersehnten Erfolg versprechen. Das war der Wunsch der Schule. Ich selbst (und auch die Station) sahen darin keinen Sinn, sah mich auch nicht in der Lage meine eigentliche Situation zu schildern.
Es kam, wie es kommen mußte. Das Attest wurde nicht gelesen und nach dem Satz „man kann eine Prüfung auch stattfinden lassen, ohne daß der Schüler weiß, wo“ hab ich sämtliche Bemühungen die Station zu wechseln eingestellt.
Ich hatte Angst, was sich ergeben könnte. z.B., daß ich nicht auf die Station kommen würde, die mich zu dem Zeitpunkt noch genommen hätte, sondern einer zugeteilt würde, die sich nicht 10 Tage vor Prüfung noch mit einem Prüfling auseinandersetzen wollen würde.
6. Im Prinzip hab ich also alles falsch gemacht. Ich bin dankbar, daß die Station sich bemüht hat, auch wenn bis zuletzt keiner wußte, wieso ich so völlig kopflos gearbeitet habe. Ich bin meiner Kontaktschwester dankbar, daß sie sich die Zeit für die ganzen Gespräche mit der Schule und mit mir genommen hat und ich bin auch der Stationsleitung dankbar, daß auch sie mich versucht hat als zweite Fachprüferin während der Prüfung aufzumuntern.
Letztendlich bin ich zurecht mit "ungenügend" durchgefallen, weil ich so schlecht gepflegt habe, wie die ganzen drei Jahre über nicht.
7. Ich hab mir direkt nach der Prüfung vorgenommen nicht noch einmal die praktische zu machen. Jetzt hab ich mich von meiner Familie aber so sehr bequatschen lassen, daß ich doch wieder auf einer Station gelandet bin. Diesmal eine, wo es mir sehr gefällt, ich mit dem Team phantastisch klar komme und gemerkt habe, daß ich wirklich nur bei der gynäkologischen Pflege Probleme habe. Auch Männer kann ich problemlos versorgen. Es ist wie verhext, ich komme mit den männlichen Patienten sogar ein wenig besser zurecht als mit den weiblichen. Es kann keiner fassen, daß ich praktisch durchgefallen bin. Weder von allen vorherigen Stationen, noch von der Neuen.
Ich denke, jeder hat Fachbereiche, in denen er aus den einen oder anderen Gründen nicht zurecht kommt. Bei mir sind es zwei: Psychiatrie und Gynäkologie.
Da ich beides mittlerweile mehr oder weniger schmerzlich herausgefunden habe, kann ich Einsätze solcher Art jetzt leichter umschiffen.
Das Mirtazapin werde ich weiter nehmen. Mir geht es wirklich gut, ich hab zwar Nebenwirkungen (Paraesthesien), aber ich kann damit gut arbeiten. Die Resonanz meiner jetzigen Kollegen und der PatientInnen zeigen mir, daß ich trotz allem für den Pflegeberuf geeignet erscheine.
Dennoch kam jetzt ein Anruf bei meiner Stationsleitung an: „Die Desideria ist doch jetzt bei Ihnen, wie ist denn die Psychische Verfassung?“. Den Satz hab ich mitbekommen, weil ich neben dem Telefon saß. Ich bin aufgestanden und gegangen. Als ich nach mehreren Minuten zurück ging, sprachen sie immer noch über mich.
Ich bin froh, daß meine jetzige Stationsleitung mich bereits seit 1 ½ Jahren kennt und sich davon nicht beeindrucken läßt. Dennoch sah sie danach sehr... nachdenklich aus und beobachtet mich jetzt mehr denn je. Sie meint, ich soll mir keine Sorgen machen, durch's Examen käme ich locker durch. Alles andere sind Verkettungen unglücklicher Umstände.
Es geht mir gut, trotz mißlungenem Examen - die Aussage hat meine Dozenten am Tag nach der Ergebnisbekannmachung ernsthaft schockiert
.
Ich bin nicht wirklich traurig darüber, denn dadurch hab ich jetzt die Möglichkeit, daß ich doch noch bemerkt habe, daß ich nur im falschen Fachbereich gelandet war. Über alles andere läßt sich reden.
Und das werde ich tun. Am Dienstag gleich mit meiner Stationsleitung. Sie soll wissen, was wirklich los ist. Ich weiß, daß ich ihr Vertrauen kann.
Und dann werde ich meinem Psychiater einen Brief schreiben und einige Dinge klarstellen, über die ich noch nicht reden kann.
Es gibt also trotz durchgefallener Prüfung Lichtblicke und die wird es immer geben. Man muß sie nur suchen.
Liebe Grüße,
Desideria
Zunächst einmal muß ich mich gleich dafür entschuldigen, daß ich im Moment noch nicht weiß, ob ich hier eine detailgetreue Frage stellen kann oder nur Frustschreiben betreibe.

Also:
Ich bin im 3. Ausbildungsjahr (Krankenpflege), stehe aus praktischen Beurteilungen mit einem Einser-Durchschnitt da, theoretisch im Zweier-Bereich und bin auf meinen bisherigen Stationen gern gesehen. Sowohl unter den Patienten, als auch bei Pflegepersonal und MitschülerInnen.
So weit, so gut, könnte man meinen. Denkste!

Auf meiner letzten Station hatte ich ziemliche Probleme, die ich nicht zugeben "darf", weil ich sonst wegen "psychischer Nicht-Eignung" das Examen nicht ablegen darf.
Um das mal etwas näher zu erklären:
1. Ich bin sowohl Mißbrauchs- als auch Mehrfach-Vergewaltigungsopfer. Das kann ich auch nur hier im anonymen Internet so locker, flockig mit zitternden Fingern schreiben. Sagen kann ich das nicht. Allein daran zu denken verursacht mir im Moment Übelkeit.
2. Bislang bin ich mit diesem Teil meiner Vergangenheit ganz gut zurecht gekommen. Während des Einsatzes in der Gyn kam ich allerdings zunehmend in die Situation, daß mir bei der Pflege der Patientinnen schlecht wurde, mir Schwarz vor Augen wurde und ich leichtere Panikattacken bekam. Mir wurde vorgeworfen und überwiegend über Dritte mitgeteilt, ich könne nicht pflegen, würde das Examen nicht schaffen und sei eine Katastrophe schlechthin- dem muß ich leider, was diese Station betrifft, zustimmen.
3. Ende Januar '06 bin ich zum Psychiater gegangen. Ich sah mich völlig am Ende.
Z.n. Suizidversuch vor 6 Jahren (nach den Vergewaltigungen und diverser familieninterner Intrigen), akut wieder einsetzende Suizidgedanken durch die Situation auf Station, dauernde Kopf- und sonstige ursachenlose Schmerzzustände, Ein- und Durchschlafstörungen mit stundenlangem nächtlichen Wachliegen bzw. morgendlichem Früherwachen gegen 2 oder 3, bestenfalls 4 Uhr ohne wieder an Schlaf denken zu können.
Mißbrauch und Vergewaltigung habe ich übrigens als nicht weiter beeinflussend bezeichnet (Mißbrauch), bzw. völlig abgestritten (Vergewaltigung). Ich hab auch verschwiegen, daß ich auf Station Panikattacken bekommen habe und mir bei der Versorgung der Patientinnen übel wurde.
Soviel Vertrauen hatte ich einfach noch nicht.
4. Ich bekam Mirtazapin 30mg (ich nehme seit 31. März 45mg, weniger hilft mir einfach nicht), vier Einzeltabletten Tavor expidet (nur für die Prüfungstage und ich hab nur eine an einem der 2 Prüfungstage genommen), die Handynummer des Arztes und wöchentliche Nachschautermine.
Letztendlich sogar ein fachärztliches Attest, daß ich auf jener Station nicht mein Examen machen sollte.
5. Knall auf Fall schlugen meine Bemühungen die Station noch kurzfristig zu wechseln fehl.
Die Schule ging davon aus, daß ich, mit einem Einser-Durchschnitt gesegnet, ja nur Prüfungsangst hätte. Es hatten schon mehrere Gespräche zwischen Schule und Station stattgefunden, trotzdem sollte mir ein weiteres den ersehnten Erfolg versprechen. Das war der Wunsch der Schule. Ich selbst (und auch die Station) sahen darin keinen Sinn, sah mich auch nicht in der Lage meine eigentliche Situation zu schildern.
Es kam, wie es kommen mußte. Das Attest wurde nicht gelesen und nach dem Satz „man kann eine Prüfung auch stattfinden lassen, ohne daß der Schüler weiß, wo“ hab ich sämtliche Bemühungen die Station zu wechseln eingestellt.
Ich hatte Angst, was sich ergeben könnte. z.B., daß ich nicht auf die Station kommen würde, die mich zu dem Zeitpunkt noch genommen hätte, sondern einer zugeteilt würde, die sich nicht 10 Tage vor Prüfung noch mit einem Prüfling auseinandersetzen wollen würde.
6. Im Prinzip hab ich also alles falsch gemacht. Ich bin dankbar, daß die Station sich bemüht hat, auch wenn bis zuletzt keiner wußte, wieso ich so völlig kopflos gearbeitet habe. Ich bin meiner Kontaktschwester dankbar, daß sie sich die Zeit für die ganzen Gespräche mit der Schule und mit mir genommen hat und ich bin auch der Stationsleitung dankbar, daß auch sie mich versucht hat als zweite Fachprüferin während der Prüfung aufzumuntern.
Letztendlich bin ich zurecht mit "ungenügend" durchgefallen, weil ich so schlecht gepflegt habe, wie die ganzen drei Jahre über nicht.
7. Ich hab mir direkt nach der Prüfung vorgenommen nicht noch einmal die praktische zu machen. Jetzt hab ich mich von meiner Familie aber so sehr bequatschen lassen, daß ich doch wieder auf einer Station gelandet bin. Diesmal eine, wo es mir sehr gefällt, ich mit dem Team phantastisch klar komme und gemerkt habe, daß ich wirklich nur bei der gynäkologischen Pflege Probleme habe. Auch Männer kann ich problemlos versorgen. Es ist wie verhext, ich komme mit den männlichen Patienten sogar ein wenig besser zurecht als mit den weiblichen. Es kann keiner fassen, daß ich praktisch durchgefallen bin. Weder von allen vorherigen Stationen, noch von der Neuen.
Ich denke, jeder hat Fachbereiche, in denen er aus den einen oder anderen Gründen nicht zurecht kommt. Bei mir sind es zwei: Psychiatrie und Gynäkologie.
Da ich beides mittlerweile mehr oder weniger schmerzlich herausgefunden habe, kann ich Einsätze solcher Art jetzt leichter umschiffen.
Das Mirtazapin werde ich weiter nehmen. Mir geht es wirklich gut, ich hab zwar Nebenwirkungen (Paraesthesien), aber ich kann damit gut arbeiten. Die Resonanz meiner jetzigen Kollegen und der PatientInnen zeigen mir, daß ich trotz allem für den Pflegeberuf geeignet erscheine.
Dennoch kam jetzt ein Anruf bei meiner Stationsleitung an: „Die Desideria ist doch jetzt bei Ihnen, wie ist denn die Psychische Verfassung?“. Den Satz hab ich mitbekommen, weil ich neben dem Telefon saß. Ich bin aufgestanden und gegangen. Als ich nach mehreren Minuten zurück ging, sprachen sie immer noch über mich.
Ich bin froh, daß meine jetzige Stationsleitung mich bereits seit 1 ½ Jahren kennt und sich davon nicht beeindrucken läßt. Dennoch sah sie danach sehr... nachdenklich aus und beobachtet mich jetzt mehr denn je. Sie meint, ich soll mir keine Sorgen machen, durch's Examen käme ich locker durch. Alles andere sind Verkettungen unglücklicher Umstände.
Es geht mir gut, trotz mißlungenem Examen - die Aussage hat meine Dozenten am Tag nach der Ergebnisbekannmachung ernsthaft schockiert

Ich bin nicht wirklich traurig darüber, denn dadurch hab ich jetzt die Möglichkeit, daß ich doch noch bemerkt habe, daß ich nur im falschen Fachbereich gelandet war. Über alles andere läßt sich reden.
Und das werde ich tun. Am Dienstag gleich mit meiner Stationsleitung. Sie soll wissen, was wirklich los ist. Ich weiß, daß ich ihr Vertrauen kann.
Und dann werde ich meinem Psychiater einen Brief schreiben und einige Dinge klarstellen, über die ich noch nicht reden kann.
Es gibt also trotz durchgefallener Prüfung Lichtblicke und die wird es immer geben. Man muß sie nur suchen.
Liebe Grüße,
Desideria