- Registriert
- 19.04.2010
- Beiträge
- 243
- Beruf
- Azubi GuK seit 01.10.2011
Liebe Foren-Gemeinde!
Ich habe im Oktober meine Ausbildung zur GuK angefangen und bin gerade im ersten Praxiseinsatz auf einer chirurgischen Station. Nun bin ich gerade mal drei Wochen da und war schon die erste Woche ziemlich deprimiert, dass die Patienten auf der Station nur so kommen und gehen oder regelrecht "durchgewunken" werden. Auf der Station sind aus Kapazitätsgründen auch viele Fremdlieger von anderen Stationen. Durch diesen steten Wechsel ist man nicht wirklich dazu in der Lage auf die Patienten einzugehen. Mir ist dies speziell an den onkologischen Patienten aufgefallen (mit pathologischen Knochenbrüchen), die wir bisher hatten, aber auch an den vielen geriatrischen Patienten. Viele haben ein großes Bedürfnis nach Sicherheit oder einfach nur "das Herz erleichtern". Mir ist das speziell an einer Krebspatientin aufgefallen, die sich beim Personal mit ihrem häufigen Klingeln wegen "Nichtigkeiten" nicht gerade beliebt gemacht hat. Heute ging ich auf ein Klingeln zu ihr, sie lag ihrem subjektiven Empfinden nach unbequem im Bett und wollte etwas aufgerichtet werden (nicht nur im körperlichen Sinne, wie sich schnell herausstellte). Während ich die Unterlage holte und zurechtrückte, merkte ich, wie sie etwas regelrecht vor sich herschob. Schließlich offenbarte sie sich mir: Sie sagte einfach nur, dass sie glaube, ihre Tochter heute das letzte Mal gesehen zu haben. Daran schloss sich ein Gespräch über ihre ganze aktuelle Lebenskrise an. Sie spüre angeblich, dass sie nicht mehr lange leben wird (ihr Tumor ist bösartig und sitzt an einer sehr sensiblen Stelle im Körper -möchte das hier nicht genau benennen aus Datenschutzgründen) und wolle mir daher gerne ein paar Dinge anvertrauen (wo sie wichtige Briefe etc. aufbewahrt, die ihre Kinder nach dem Tod noch lesen mögen). Dann komme hinzu, dass sie ihre komplette Selbstständigkeit vor kurzem verloren hat und fortan auf dauerhafte Pflege angewiesen ist. Das setze ihr psychisch sehr zu. Am meisten aber belaste sie, dass sie das Gefühl hat, von Ärzten und Pflegekräften aufgegeben worden zu sein (Off: Ja, das würd ich auch so empfinden. Die Stationsärzte sind so kurz angebunden, auf der Station, dass sie morgens viele Patienten morgens bei der Visite nicht mal grüßen, wenn sie das Zimmer betreten). Gerade an diesem Gefühl mache sie fest, dass es nun aufs Ende zugeht.
Ich war alles in allem bestimmt 10-15 Minuten in ihrem Zimmer und wusste ihr doch am Ende keinen wirklichen Ratschlag zu geben. Ich hab mir vorgenommen, den Sozialdienst im Kh zu benachrichten. Ansonsten hoffe ich, dass sie eine Anschluss-Reha bekommt (ist normalerweise auch Usus) und dass die Reha-Klinik ein Rundum-Paket mit Seelsorge und Sozialdienst und Bezugspflege bietet. Ich finde diese drei Dinge so wichtig. Im Akutkrankenhaus kommt das alles viel zu kurz. Natürlich, die Liegezeiten sind einfach kürzer und man hat nicht die Zeit nicht, sich wirklich mit den Patienten auseinanderzusetzen.
Auch deswegen weiß ich schon jetzt ganz am Beginn meiner Ausbildung: Ich möchte niemals in einem solchen Krankenhaus arbeiten. Mein Wunscharbeitsplatz ging von Anfang an mehr in Richtung Reha-Klinik, Hospiz, Palliativpflege, Heimpflege, Geriatrie/ Pflegeheim und auch Hauspflege. Ja. Viele von euch wird es sicher wundern. Die meisten meiner Mitschüler wollen gerade dort NICHT hin. Ich bin da eine ziemliche Ausnahme.
Mich würde interessieren, ob es hier noch Schüler oder auch bereits Examinierte gibt, die ähnlich ticken wie ich. Mir macht die Ausbildung in der Praxis momentan nicht so viel Freude, wie ich vorher dachte. Kurze Zweifel kamen bei mir auch schon auf, ob ich das wirklich durchhalte bis zum Schluss. Andererseits gibt es ja auch den Wahleinsatz, den Einsatz auf der Geriatrie, Sozialstation, Psychiatrie, worauf ich mich freue. Auch Schule/ Theorie läuft top bei mir. Ich hab mich in vielen Stunden in den ersten vier Wochen ziemlich gelangweilt, weil ich schon so viel wusste (mich hat Medizin und Biologie schon immer interessiert und lese extrem viel). Aber die Praxis ist echt hart dagegen.
Wie würdet ihr eigentlich der Frau (s.o.) weiterhelfen? Wie kann man ihr die Angst nehmen, vor dem was kommt?
Ich habe im Oktober meine Ausbildung zur GuK angefangen und bin gerade im ersten Praxiseinsatz auf einer chirurgischen Station. Nun bin ich gerade mal drei Wochen da und war schon die erste Woche ziemlich deprimiert, dass die Patienten auf der Station nur so kommen und gehen oder regelrecht "durchgewunken" werden. Auf der Station sind aus Kapazitätsgründen auch viele Fremdlieger von anderen Stationen. Durch diesen steten Wechsel ist man nicht wirklich dazu in der Lage auf die Patienten einzugehen. Mir ist dies speziell an den onkologischen Patienten aufgefallen (mit pathologischen Knochenbrüchen), die wir bisher hatten, aber auch an den vielen geriatrischen Patienten. Viele haben ein großes Bedürfnis nach Sicherheit oder einfach nur "das Herz erleichtern". Mir ist das speziell an einer Krebspatientin aufgefallen, die sich beim Personal mit ihrem häufigen Klingeln wegen "Nichtigkeiten" nicht gerade beliebt gemacht hat. Heute ging ich auf ein Klingeln zu ihr, sie lag ihrem subjektiven Empfinden nach unbequem im Bett und wollte etwas aufgerichtet werden (nicht nur im körperlichen Sinne, wie sich schnell herausstellte). Während ich die Unterlage holte und zurechtrückte, merkte ich, wie sie etwas regelrecht vor sich herschob. Schließlich offenbarte sie sich mir: Sie sagte einfach nur, dass sie glaube, ihre Tochter heute das letzte Mal gesehen zu haben. Daran schloss sich ein Gespräch über ihre ganze aktuelle Lebenskrise an. Sie spüre angeblich, dass sie nicht mehr lange leben wird (ihr Tumor ist bösartig und sitzt an einer sehr sensiblen Stelle im Körper -möchte das hier nicht genau benennen aus Datenschutzgründen) und wolle mir daher gerne ein paar Dinge anvertrauen (wo sie wichtige Briefe etc. aufbewahrt, die ihre Kinder nach dem Tod noch lesen mögen). Dann komme hinzu, dass sie ihre komplette Selbstständigkeit vor kurzem verloren hat und fortan auf dauerhafte Pflege angewiesen ist. Das setze ihr psychisch sehr zu. Am meisten aber belaste sie, dass sie das Gefühl hat, von Ärzten und Pflegekräften aufgegeben worden zu sein (Off: Ja, das würd ich auch so empfinden. Die Stationsärzte sind so kurz angebunden, auf der Station, dass sie morgens viele Patienten morgens bei der Visite nicht mal grüßen, wenn sie das Zimmer betreten). Gerade an diesem Gefühl mache sie fest, dass es nun aufs Ende zugeht.
Ich war alles in allem bestimmt 10-15 Minuten in ihrem Zimmer und wusste ihr doch am Ende keinen wirklichen Ratschlag zu geben. Ich hab mir vorgenommen, den Sozialdienst im Kh zu benachrichten. Ansonsten hoffe ich, dass sie eine Anschluss-Reha bekommt (ist normalerweise auch Usus) und dass die Reha-Klinik ein Rundum-Paket mit Seelsorge und Sozialdienst und Bezugspflege bietet. Ich finde diese drei Dinge so wichtig. Im Akutkrankenhaus kommt das alles viel zu kurz. Natürlich, die Liegezeiten sind einfach kürzer und man hat nicht die Zeit nicht, sich wirklich mit den Patienten auseinanderzusetzen.
Auch deswegen weiß ich schon jetzt ganz am Beginn meiner Ausbildung: Ich möchte niemals in einem solchen Krankenhaus arbeiten. Mein Wunscharbeitsplatz ging von Anfang an mehr in Richtung Reha-Klinik, Hospiz, Palliativpflege, Heimpflege, Geriatrie/ Pflegeheim und auch Hauspflege. Ja. Viele von euch wird es sicher wundern. Die meisten meiner Mitschüler wollen gerade dort NICHT hin. Ich bin da eine ziemliche Ausnahme.
Mich würde interessieren, ob es hier noch Schüler oder auch bereits Examinierte gibt, die ähnlich ticken wie ich. Mir macht die Ausbildung in der Praxis momentan nicht so viel Freude, wie ich vorher dachte. Kurze Zweifel kamen bei mir auch schon auf, ob ich das wirklich durchhalte bis zum Schluss. Andererseits gibt es ja auch den Wahleinsatz, den Einsatz auf der Geriatrie, Sozialstation, Psychiatrie, worauf ich mich freue. Auch Schule/ Theorie läuft top bei mir. Ich hab mich in vielen Stunden in den ersten vier Wochen ziemlich gelangweilt, weil ich schon so viel wusste (mich hat Medizin und Biologie schon immer interessiert und lese extrem viel). Aber die Praxis ist echt hart dagegen.
Wie würdet ihr eigentlich der Frau (s.o.) weiterhelfen? Wie kann man ihr die Angst nehmen, vor dem was kommt?