Religion und Psychotherapie

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Brady

Gast
Hallo liebe Kollegen und Kolleginnen,

habe seit ein paar Wochen einen türkischen Patienten der strenggläubiger Moslem ist und auch eine Pilgerfahrt nach Mekka unternommen hat.

Er ist ein Hadschie und dies bedeutet in dem Glauben, dass er ab dieser Zeit sich hohen Wert- und Moralvorstellungen zu unterwerfen hat.
Was sind eure Erfahrungen mit strenggläubigen Patienten?

Habe zu dem Thema interessante Seiten gefunden.

Hadsch- Die Pilgerfahrt nach Mekka

Der religiöse Patient in Psychiatrie und Therapie

Liebe Grüße Brady
 
Hallo!
Also, ich habe oft erlebt, daß Angehörige von muslimischen Patienten sehr fürsorglich sind. Besuchen ihre Angehörige oder Freunde sehr oft.

Einige Male habe ich erlebt, daß die Angehörige bei einer malignen Diagnose die Patientenafklärung nicht erlauben wollten. Der Tod wurde ganz tabuisiert.
Bei anderen Patienten waren die Angehörige ganz anders und haben sehr gute Sterbebegleitung gemacht.
Oft übernehmen die Angehörige auch Versorgung von gestorbenen Angehörigen.
Das Essen spielt eine sehr grosse Rolle. Da werden sogar Kalorienberechnungen gemacht (z.B. wenn eine parenterale Ernährung läuft). Und bei Angehörigen von palliativen Patienten muß man viel Aufklärungsarbeit leisten.
Patienten und Angehörige sind oft sehr höflich und schweigsam. Manchmal zu bescheiden.
Also, insgesamt ehe gute Erfahrungen gemacht.


Oh, hab grade gesehen, daß der Beitrag aus Psychiatrieunterforum gepostet ist. :wut:
Aber evtl. ist es auch interessant welche Erfahrungen auf der Palli gemacht werden.


Gruß, Poncic
 
Hallo Ponic,

jede Erfahrung ist wertvoll; Danke. Würde mich freuen wenn auch die Kollegen sich aus der Somatik beteiligen.

Liebe Grüße Brady
 
Hallo Brady

Herzlichen Glückwunsch für dieses wertvolle Thema

Man sieht an der interessanten Antwort, dass es ein packendes Thema ist, das weit mehr Pflegekräfte und Patienten bewegt, als das offiziell bei den Verantwortlichen bekannt ist.

Ein großes Kompliment
Volker
 
Hallo zusammen,

von dem Patienten, dem ich im Eingangsthread berichtete leidet unter einer psychosomatischen Erkrankung. Klagt über starken Kopfschmerz, der ihn anfallsartig überkommt. Er war vorher schon zu umfangreicher Diagnostik und versucht immer wieder die Lösung seines Problems über eine körperliche Erkrankung zu finden.

Der Schritt in die Psychiatrie war eine große Überwindung für ihn und er würde eine psychische Erkrankung als Schwäche ansehen.


Liebe Grüße Brady
 
Hallo,
ich sehe die Sprachbarriere als sehr großes Hindernis.
Erlebe es im Moment auch bei einer türkischen Patientin. Es werden nur einfache Sätze verstanden, und so verwundert es nicht, das keine befriedigende Therapie zustande kommt.
Wir haben eine türkische Kollegin auf einer Nachbarstation, die mal dolmetschen kann, aber auch nicht immer.
Bei dieser Pat. geht es um eine Trennungsproblematik, sie wagt aber nicht offen zu reden, weil es das in ihrem Glauben offiziell gar nicht geben darf.
Sie fürchtet von der Familie verstoßen zu werden.

Wir haben in einem LWV - Krankenhaus eine " Türkenstation ", schon der Name ist für mich schauderhaft und führt in meinen Augen noch mehr zur Ghettoisierung.

Ich denke es ist schon lange überfällig, das in diesem Bereich Fortbildungen angeboten werden, damit wir unsere Patienten und ihre Glaubenszwänge besser verstehen lernen.

lg tochter46
 
Hallo,

kleiner, aber wertvoller Literaturtipp. "Transkulturelle Kompetenz im Gesundheitswesen" von Dagmar Domenig.

Dort hat es auch noch gute Literaturverweise zu den verschiedensten Themen, u.a. Psychiatrie

Lohnt sich.

Ute S.
 

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