Glucose 5% bei Neugeborenen?

Karo6

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hallo!

habe leider keinen dazu gehörigen thread gefunden, deswegen mus ich leider wieder einen eröffnen, sorry!

bei uns auf station ist wieder große diskusion und streiterei hebamme vers. kinderkrankenschwestern!

und zwar wurde es immer so gehandhabt:

neugeborene die von der mutter gestillt werden erhalten innerhalb 24 std., je nach bedarf, eine mischung mit glucose 5% + tee! oder von anderen kinderkrankenschw. sogar glucos 5% pur! unsere neue hebamme war nun völlig dagegen und meinte es würde den BZ der neugeboren zu schnell hoch gehen lassen und wieder zu schnell senken. sie war dafür das die neugeboren, wenn noch kein milcheinschuss vorhanden ist, pre aptamil HA nahrung erhalten aber am liebsten möchte unsere hebamme das die neugeboren nicht weiter zugefüttert werden!

wir haben versucht uns daran zu halten die neugeboren nicht zusätzlich was zu geben, nur dann haben die meisten, logischerweise, viel an gewicht abgenommen. wir gaben ihnen dann tee damit sie nicht dehydrieren! :x

und dann kam der große streit, hebamme gegen kinderkrankenschwester und ich als krankenschwester saß dazwischen und konnte auch nicht helfen! 8)

wie wird das bei euch, auf den wöchnerinnen stationen gehandhabt?

LG
 
Hallo Karo,

ich glaube dies ist eines der großen Streitthemen im Neugeborenenbereich! Und ich glaube auch, dass du keine allgemein verbindliche Aussage bekommst. Auch bei uns ist dies in einigen Fällen abhängig davon wer das Kind betreut.

Wir füttern auch eher Nahrung, wenn die Mutter noch keine Milch hat und das Kind Hunger hat. Glusoselösung zu füttern ist auch bei uns ziemlich aus der Mode gekommen, obwohl es auch noch vereinzelt die Befürworter von Glusose gibt (Mekoniun wird wohl besser abgesetzt).

Eigentlich brauch ein Neugeborenes gar nichts zusätzlich, wenn dies so wäre hätte die Natur sicherlich etwas hervorgebracht! In einzelfällen muss man sicher entsprechende Entscheidungen treffen, bei BZ- Problemen oder erheblichen Gewichtsverlust.

Liebe Grüße
Behid
 
Hallo,

ich denke auch hier muss man differenzieren, ob es sich um gesunde oder kranke Kinder handelt.

Gesunde Kinder brauchen keine zusätzliche Nahrung und auch kein Glucose, beides kann sogar schädlich sein, weil es das Trinkverhalten, Saugen an der Brust und damit den regulären Milcheinschuss negativ beeinflussen kann.

Ein Gewichtsverlust nach der Geburt ist ja auch physiologisch.

Bei kranken Neugeborenen, Frühgeborenen und Kindern mit Blutzuckerproblemen muss ggf. zugefüttert werden, d.h. das Zufüttern braucht immer eine Indikation und im Grunde auch eine explizite Anordnung (was in welcher Menge und wie, ggf. Verzicht auf Flaschenfütterung, zur Vermeidung der Saugverwirrung), damit es nicht routinemäßig einfach mal so gemacht wird.
Bei Nahrungsfütterung muss beispielsweise gut überlegt werden, ob hier eine erhöhte Allergiegefährdung des Kindes vorliegt, worauf man Rücksicht nehmen müsste.

Auf einer Neugeborenenstation die gesunde Neugeborene betreut sollte bei Stillwunsch der Mutter nicht ohne deren Einverständnis zugefüttert werden!!!

LG,
Meggy
 
hallo,

ja aber der milcheinschuss kommt ja gewöhnlich erst so am 2. - 3. tag nach geburt, bei vielen müttern sogar erst später. wir hatten nämlich mal ein fall da hat das neugeborene mehr als 10% seines geburtsgewichtes verloren und anhand der haut sah man das es dehydriert war!

ich finde das alles ziemlich kompliziert und verwirrend, denn jeder hat eine andere meinung! da steh ich nun, die in die säuglingspflege eingearbeitet werden soll, und weiss gar nicht was richtig oder falsch ist!

meine kollegin, die bestimmt 40 jahre erfahrung in der säuglingspflege hat, sagt das sie immer halb glucose, halb tee zugefüttert haben und das hat dem kind auch nicht geschadet!

und in afrika bekommen die neugeborenen zusätzlich sogar honig zugefüttert, der urinstinkt!

LG
 
Hallo Karo,

mehr als 10% Gewichtsverlust ist ggf. eine Indikation zum Zufüttern, insbesondere wenn das Geburtsgewicht ohnehin schon grenzwertig niedrig war.

Die Tatsache, dass jemand seit 40 Jahren so gehandelt hat, ist dagegen nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass diese Handlung richtig ist. Die dadurch entstandenen Stillschwierigkeiten müssen dann ggf. die Nachsorgehebammen auffagen, ein Grund mehr, dass Kinderkrankenschwestern bei Hebammen einen ausgesprochen schlechten Ruf haben.

Hat Eure Klinik keine Still- und Laktiationsberaterin? Die könnte Euch mit den aktuellen Forschungsergebnissen zu diesem Thema beraten.

Die Gabe von Honig im ersten Lebensjahr mag ggf. in einigen Gegenden in Afrika bei besonderer Indikation so erfolgen, weil es keine Alternativen gibt, in Deutschland wäre dieses Handeln aufgrund der Gesundheitsgefährdung die von Honig in diesem Alter ausgeht obsolet.

LG,
Meggy
 
hallo meggy,

das mit afrika und dem honig war nur ein beispiel, hatte ich mal gelesen! ich denke oder vermute einfach nur das deutschland alles mal wieder dramatisiert aber wahrscheinlich irre ich mich auch weil ich mich ja wirklich nicht ganz so gut auskenne!

ich arbeite in einem sehr kleinem haus, mit nur ca. 120 geburten im jahr, also wir haben keine still- oder laktiationsberaterin. unsere hebamme hat jedoch kontakt zu einer.

und jetzt wo du es geschrieben hast das die hebamme dann bei der nachsorge die still probleme der mütter hat, da geht mir erst ein licht auf! :thinker: denn wie oft berichtet mir die hebamme das einige mütter stillprobleme haben und sie da oft nicht mehr weiter weiss!

die neugeborenen bleiben bei uns ja nur 3-4 tage, da ist es für uns pflegekräfte natürlich einfach zack ne flasche, z.b. in der nacht, zu geben, damit ruhe ist. (mal hart ausgedrückt, denn ich bin momentan noch in der beobachtungsphase :wink1:)

danke meggy, jetzt sehe ich das schon ein wenig anders und kann auch hebammen verstehen.

LG
 
Hallo Karo,

anbei ein interessanter Link zu dem Thema:
Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen IBCLC

Da ich auch in der nachsorgenden Beratung arbeite, weiß ich dass man diese Probleme nicht ignorieren sollte.
Stillschwierigkeiten sind viel mehr als die Thematik "man wird auch ohne Muttermilch satt", denn viele Mütter haben dann das Gefühl als Mutter zu versagen, uvam.

Junge Mütter sind ja sooooooo sensibel.
Und eine stabile, möglichst ungestörte Mutter-Kind-Beziehung das zentrale Pflegeziel im Neugeborenenbereich.

Viel Erfolg bei dieser wertvollen Arbeit wünscht,
Meggy
 
Auf unserer Entbindungsstation wird nichts zugefüttert solange der Gewichtsverlust noch physiologisch ist. In Einzelfällen bekommen die Säuglinge Wasser zusätzlich, allerdings nur per Fingerfeeder. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, vor allen Dingen haben die Frauen schneller ausreichend Milch. Glucose wird nur nach Indikation gefeedert, z.B. bei BZ Problemen.
 
Hallo Karo6,

nach dem Lesen Deines Beitrages bin ich ein wenig schockiert darüber, dass es so etwas noch gibt, "40 Jahre Erfahrung in der Säuglingspflege" - so wie es vor 40 Jahren war - oder Das haben wir schon immer so gemacht....

Glucose 5% zu zufüttern lässt den BZ, wie die Hebamme schon sagte, schnell ansteigen und schnell wieder fallen, wie bei Erwachsenen auch. Google mal "neugeborene zufüttern hypoglykämie", dann findest Du viel Material dazu.

Gesunde Neugeborenen dürfen, wie einige hier schon geschrieben haben, bis zu 10% vom Geburtsgewicht abnehmen, es ist an uns dies frühzeitig zu erkennen, so dass ein Kind erst gar nicht unter diese Grenze rutscht!!!
Maßnahmen sind dann: Erstens mal Beobachten und Beurteilen einer Stillmahlzeit, also saugt das Kind gut oder nuckelt es, wie oft, wie lange, wie ausdauernd trinkt es, wann setzt der Milchspendereflex ein, sitzt die Mutter gut oder verspannt, richtige Stillposition?
Im zweiten Schritt sollte man dann Maßnahmen einleiten die dann nicht heißen sollten
einfach zack ne flasche
, sondern öfter Anlegen 2-3stdl., nachpumpen und MM nachlöffeln, ggf. auch zusätzlich eine Pre oder HA Nahrung oder ein Energiesupplement, aber bitte keine Glucoselösung.
Wasser und Tee halte ich ebenfalls für nicht geeignet, das Kind hat Hunger und soll an Gewicht zunehmen, Tee und Wasser sind nur leere Magenfüller.
Und bitte nicht die Flasche mit Sauger verwenden, sondern alternative Fütterungsmethoden, Löffeln, Bechern, Feedern, Brusternährungsset.

Hier einige Links:
AFS-Stillen: Willkommen
La Leche Liga Deutschland
http://www.velb.org/
Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen IBCLC

Literatur
Marie Biancuzzo "Stillberatung - Mutter und Kind professionell unterstützen"
Iris-Susanne Brandt-Schenk " Stillen" eigentlich ein Elternbuch, aber auch für Anfänger in der Stillberatung gut zu lesen.

Wenn Du Interesse hat, besuche doch mal ein Basisseminar zu diesem Thema, in den o.g. genannte Links findest Du viele gute Veranstaltungen.

Gruß Anna
 
Danke Uta und Annawelle, das versöhnt mich wieder mit den stationär tätigen Kolleginnen!

Schön, dass das was Karo beschrieb offensichtlich nicht mehr der Normalfall ist.

Lg,
Meggy
 
hallo anna,

danke für die link´s sind sehr interessant!

ich denke es wird sehr schwer dies umzusetzen, denn wir haben in unserem team nur 2 kinderkrankenschwestern, wovon die eine 62 jahre ist und ihre arbeitsweise nicht ändern will!

unsere hebamme ist deswegen auch schon verzweifelt und wir krankenschwestern werden angelernt und sind auch völlig verwirrt, durch die verschiedenen meinungen!

morgen habe wir eine fortbildung zur säuglingsversorgung, da bin ich mal gespannt!


LG und danke!
 

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