Wie hätte ich reagieren müssen?

Zahara

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27.02.2007
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Berlin
Beruf
Gesundheits-und Krankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
Innere
Hallo,
ich bin Schülerin Ende 1 Lehrjahr und arbeite im Kankenhaus. Später möchte ich gerne einmal in die Hospizpflege.
Ich war heute beim Staub wischen in einem Zimmer. Dort weinte eine Patientin die schwer krank ist und wünschte sich das es bald zu Ende geht. Ich war ein wenig überfordert und wusste nicht wie ich darauf reagieren sollte bzw. welche Worte die richtigen wären. Denke mir fehlt einfach die Erfahrung.
Es gibt bestimmt kein Patent dafür wie man reagiert, aber könnt ihr mir Tipps geben? Bin ich vielleicht garnicht für mein späteres Ziel der Strebebegleitung geeignet wenn ich jetzt schon nicht weiß was ich machen soll?

Würde mich über Antworten freuen :cry:
 
Hallo, hatte so eine Situation eher selten bisher, aber ich denke das es manchmal nicht wichtig ist groß was zu sagen. Vielen hilft es oftmals auch schon wenn man einfach bei ihnen ist und evtl.Wünsche erfüllt oder sich zu ihnen setzt und zuhört... Hmm naja viell.bekommst du ja nochmehr Tipps... LG
 
offtopic: Du musstest echt Staub wischen?

Was hast du denn zu ihr gesagt? - Vielleicht einfach erstmal nachfragen, warum sie weinte, ob es einen konkreten Anlass gab, ob du etwas für sie tun kannst...
 
Ich denke auch, das es manchmal nicht die worte sind, die einem helfen. Manchmal ist es einfach die Gegenwart eines Menschen, dem sie ihre Gedanken erzählen können. Einem fremden Menschen, denn sie wollen meistens ihre Familie damit nicht belasten. Setzt dich nächstes Mal, falls es nochmal zu so einer Situation kommen sollte, einfach zu ihr, und höre ihr zu, halte ihre Hand wenn sie es zulässt. Gebe ihr das Gefühl, das du ihre gefühle verstehen kannst und das jemand für sie da ist.
 
Danke für eure Antworten,
ich weiß ja warum es ihr so schlecht ging. Sie hat große Schmerzen und die Schmerzmittel helfen nicht immer gleich. Ich versuche jeden Wunsch zu erfüllen wenns geht. Wenn ich mich aber hinsetze zu ihr krieg ich ärger weils alles zu lange dauert. Es sagt sich immer so leicht, aber leider ist im Krankenhaus für Gespräche garnicht viel Platz.


PS: Ja ich muss jeden Tag bei allen 38 Betten staub wischen...
 
Ganz klar ist ein Patientengespräch wichtiger als Staub wischen.
Ich dachte, die Zeiten wären vorüber, in denen die Schüler für Reinigungsmassnahmen herangezogen wurden (ich könnte es ja noch verstehen, wenn es sich um den Medikamentenschrank o.ä. handelte).
 
Ich denke, wir wissen alle, das für Gespräche nicht viel zeit und Raum ist, und doch sollte man sich die zeit nehmen. Das ist sehr wichtig!!!!
 
(ich könnte es ja noch verstehen, wenn es sich um den Medikamentenschrank o.ä. handelte).
Hi Ev,
das seh ich eigentlich genau andersrum - während sie bei den Nachttischen noch Patientenbeobachtung und Gespräche führen kann, ist es beim Medikamentenschrank eher sinnlos. Beim Medikamentenschrank wäre es nie zu diesem Gespräch gekommen.

Aber wir kommen in Richtung OT!

@Alex,

es gibt nicht die Standardworte für solche Situationen. Mit meiner nicht kurzen Erfahrung in der Pflege komme auch ich immer wieder an meine Grenzen in solchen Situtationen. Manchmal ist zusammen schweigen mehr als 1000 Worte. Mach in solchen Situationen das was dir gerade einfällt, aber beschönige solche Situationen auch nicht mit Floskeln wie "das wird schon wieder" oder ähnlichem.

Du bist sicher nicht ungeeignet für Hospiz/Palliativ, nur weil dir in dieser Situation die Worte fehlten.

Liebe Grüsse
Narde
 
ersma! Voll eh boa!!
Im ersten ausbildungsjahr! Sich da ein ziel zu setzen, an dem die meissten unserer Branche ihr gesammtes Arbeitsleben zu knabbern haben find ich wirklich absolut Hammer gut!!!!!!
Hut ab!!!!!! (auch wenn meine terminologie ironie vermuten liesse - das meine ich ernst!)
Allein die Tatsache das du dich mit dem (uns alle an unsere Grenzen bringenden) Thema intensiv beschäftigen möchtest, zeugt von grosser Reife!
Entweder bist du schon etwas älter und hast schon einiges an lebenserfahrung, oder noch jünger - und dann fehlen mir die Worte vor begeisterung so jemand zu kennen (zu dürfen) !!! weiter so!!!

In der Situation eigentlich seinen übertragenen Aufgaben gerecht werden zu sollen, aber zu merken das anderes jetzt wichtiger ist, stecken wir alle oft drinn. Da wird man nie mit sich UND den anderen einig.
Sofern sachen wie Schmerzen, Obstipation, und anderes "fachliche" ausgeschlossen werden kann...

Dir wird da nichts anderes übrigbleiben als deine persönliche Priorität zu setzen. Dies wird aber oft auch ärger bedeuten... kommt in der Ausbildung meist nicht gut. Erzähle die dich bewegenden situationen deinen examinierten Kollegen auf Station frage da um rat. das wird dir wahrscheinlich etwas mehr freiraum verschaffen. (bei diesem Thema seit ihr auf Augenhöhe. Da zählt allenfalls die Erfahrung mit Wissen hat das wenig zu tun)

Egal wie du dich verhalten hast - solange du aufrichtig, ehrlich die Gesamtsituation WAHRgenommen hast. Solange du nicht versucht hast DICH mit den erwähnten Floskeln zu pflegen, war, ist und wird es gut sein!
Sterben muss jeder allein - daran können (und sollten) wir nichts ändern wollen.
Wir können nur BEGLEITEN und das bedeutet sicher auch tätigwerden wenn es gewünscht und/oder gefragt wird...auch nonverbal... aber auch bitte (!) DA SEIN (der Mensch (!) nicht die Schwester, der Pfarrer, der Arzt) wenn dies GEBRAUCHT wird.
Frage ruhig den Betroffenen danach! Halte dich nicht an irgendwelche ettiquette (richtig geschrieben?) es gibt keine. Du kannst Dich nur verhalten! Deine Frage "Wie hätte ich reagieren müssen" ist hier einfach nur falsch! Niemand wird dir das wirklich beantworten KÖNNEN!
Der sterbende ist individuell, sein sterben auch, und du... da bist du im grenzbereich... hier findet BEGEGNUNG statt! Verstehen, aufnehmen, sich einlassen, zulassen....
Es kann sein das du Beschimpft wirst, es kann sein das du abgelehnt wirst, es kann ALLES sein... nimm es nicht persönlich! nicht das, für dich gute nicht das entmutigende... Es sind Gefühle... Angst vielleicht, leere vielleicht, hole den sterbenden an der stelle ab, frage, gehe NIE davon aus das du ihn wirklich verstehen kannst! Und werte nie! (im sinne von bewerten)
Begleite, halte dich hin (dein selbst) als Angebot!!!!!!! erwarte nicht das es angenommen wird!!!!!!!!
Kein Richtig - kein Falsch!
Es ist m.E. das schwierigste in unserem Beruf!!!! Es geht MICH selbst an! Meine "grundfeste" mein eigenes SEIN...
"ERLEBE" was vorgeht, sieh GENAU hin, SPÜRE was abgeht!!!

Aber: GENAU SO WICHTIG!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Erkenne Deine persönliche Grenze! Gehe NIE darüber! Schütze Dich selbst vor der eigenen Hilflosigkeit und den daraus entstehenden Gefühlen. Du wirst nie einem Menschen begegnen können, wenn du nicht lernst zu sagen: bis hierhin ist OK, jetzt muss ich (wegen mir selbst, meiner z.B. Angst) weg!!

Schlechtes Gewissen? mangelnde Leistung? Nein!!!!!

Auch Du bist Mensch! MIT allen wiedersprüchlichkeiten!! Und es ist GUT so!

Das ist das aller schwierigste im Beruf: sich selbst als Mensch zu sehen, sich dabei nicht vor sich selbst (oder anderen) mit blödsinn rechtfertigen zu wollen. Oder hinter in solchen "dummen" Wissens und Allmachtsfantasien zu verstecken!
 
Hallo Alex,
Du hast hier schon viele gute Ratschläge bekommen. Man kann nur da sein, Anteil nehmen und dem Patienten vermitteln, dass man Verständnis für ihn hat.
Wenn ein Patient weint ist es wichtiger sich um ihn zu kümmern, als Staub zu wischen. Ich habe in solchen Situationen lieber einen Konflikt mit den Kollegen riskiert, als den Patienten im Stich zu lassen (Ausnahme: es "brennt" auf Station). Dass Du als Schülerin da einen schwereren Stand hast ist klar, versuch es bitten trotzdem. Das tut Dir auch besser.
Deinem Wunsch später mal Sterbebegleitung zu machen steht Deine momentane Hilflosigkeit nicht im Weg. Du hast noch zwei Jahre Ausbildung vor Dir und willst wahrscheinlich nicht sofort nach der Ausbildung in ein Hospiz gehen, oder? Mit der Zeit fällt es leichter in schwierigen Situationen angemessen zu reagieren.

LG Sr. S.
 
Ich setze mich bei sowas zu dem Patienten und nehme seine Hand und lass sie einfach mal erzählen. So ein Gespräch dauert doch keine Ewigkeit, manchmal muss ein patient sich eben auch mal ausweinen und auch dafür ist man zuständig. Auch ich habe mal gesagt bekommen wir haben zu wenig zeit dafür. Aber seitdem ich eben nicht mehr den kopf einziehe, sondern mich dafür einsetze und dazu stehe was ich tue läuft es sehr gut auf station. Auch ein Gespräch ist Pflege und überaus wichtig. Dokumentiere dass du beim patienten warst und was passiert ist. und wenn du zeit zum staubwischen hast, was keine besonders wichtige und schnell zu erledigende aufgabe in meinen augen sein muss, dann kannst du das sehr gut begünden.
 
Hi Ev,
das seh ich eigentlich genau andersrum - während sie bei den Nachttischen noch Patientenbeobachtung und Gespräche führen kann, ist es beim Medikamentenschrank eher sinnlos. Beim Medikamentenschrank wäre es nie zu diesem Gespräch gekommen.
Liebe Grüsse
Narde

Ja, klar, so kann man es auch sehen - dann eher Staub wischen, um mit Pat. in Kontakt zu kommen, aber nicht als AB-Maßnahme. Ich hab' halt gehofft, dass in den Zimmern ohnehin täglich geputzt wird, während mir Staub im Medikamentenschrank zuwider wäre. - Blödes Beispiel.
 
also mein letzten einsatz hatte ich in einem hospiz und da hab ich gemerkt das es ganz oft hilft wenn man einfahc nur da ist und zuhört!
das geht einem manchmal echt an die nieren aber man erfährt auch viel wenn man einfach zu hört und da ist!!

lg
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hallo alex,
wenn du dich zur Hospizarbeit hingezogen fühlst, dann tu es. Dieser Bereich muß einem liegen. Es werden immer mehr Palliativstationen gebaut, auch die ambulante Hospizarbeit wird intensiviert. Tu es solange du Kraft dafür hast und nimm dir deine Auszeiten. Es gibt gute Zusatzausbildungen, mach davon einiges mit. Sie machen dich sicherer und man versteht die Reaktionen und Gefühlsausbrüche besser. Und Erfahrung kommt sowieso nur mit der Zeit und die kommt mit jedem Patient.

dasein und aushalten und jeden Tag die Sonne sehen
 

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