Praxisanleitung eines Azubis mit herausfordernder Kommunikationskultur

Cistrose

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Bayern
Beruf
Gesundheits-und Krankenpflegerin,Altenpflegerin
Funktion
Praxisanleiterin, Wundexpertin ICW
Hallo @all

Leider habe ich heute als Anleiterin eine sehr demotivierende Situation erlebt.

Bin auf einer internistischen Station als Springer für Anleitungen eines Azubis eingeteilt worden.
Dort war ein Azubi im dritten Ausbildungsjahr. Sein Examen ist im Sommer diesen Jahres.
Er ist für 400 Std bei uns und benötigt 40 Anleiterstunden. Anlehnend an den KB und der Lernaufgabe der Schule, wollte ich mit ihm alles orderntlich durchgehen.
Er beklagte, dass er noch bis Juni auf dieser Station ist und nur zwei Anleiterstunden erhielt. Seit seiner Ausbildung wurde es laut seiner Aussage schon immer so gemacht, dass Anleitungen einfach unterschrieben wurden, ohne tatsächlich angeleitet worden zu sein. Also das bedeutet, es muss ja irgendeine PA unterschrieben haben. Eine PFK ohne Wb darf nicht unterschreiben. Nun ist er entsprechend auch in einer Art Resignation, was ich auch verstehen kann.
Was mich allerdings stört ist, ich bin sehr motiviert, mit ihm wichtige Basics die er benötigt, durchzugehen. Er allerdings bezieht sich auf inkompetente Anleitungen, die er bisher schon in drei Jahren erlebt hat. Meine Beurteilung ist ihm seiner Aussage nach"Wurscht", weil es in seiner Note eh nichtmehr mit einfließt. Er fragt mich, ob ich überhaupt eine PA mit Registrierung sei und meine FoBi's absolviert habe..*lach... Also er hat sozusagen eine "ganz tolle Basis" zwischen uns beiden geschaffen. Ich habe ihn heute das erstemal gesehen, bin eigentlich bei Azubis beliebt, weil ich eine schöne Atmospäre herstelle und mir das psychische Wohlbefinden der Azubis wichtig ist..
Nun lehne ich Anleitungen an ihm ab. Werde Montag mal mit den anderen Anleitern darüber sprechen denn vermutlich müsste es einen Grund haben, weshalb er bisher noch keine Anleitung erhielt.
Und ehrlich gesagt.. ich habe mein Examen ich muss mich nicht zum Hampelmann machen. Wenn er keinen Bock hat, lasse ich ihn auflaufen.
Ich kann ihm nur Lernangebote geben, er muss sie aber dann auch annehmen. Wenn nicht, pech. Er ist erwachsen.
Auch ein gutgemeinter Rat, dass auch wir Krankenpfleger/innen uns auch nach vielen Jahren kritisch auf ein Up date hinterfragen müssen, ist an ihm vorbeigegangen.
Auch das ich ihn zu Bedenken gab, dass die allerbesten Fachkräfte die sind, die eine hohe Selbstreflexion haben, auch wenn das Examen lange zurück liegt, scheint ihn überhaupt nicht zu interessieren..

Ich bin da raus...
 
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Hallo Cistrose,

Das ist natürlich ein sehr krasser Fall.
Aber ich kann deine Reaktion verstehen. Auch ich würde die Anleitung in diesem Fall ablehnen....und vielleicht sogar einen Schritt weiter gehen:

Eine offizielle Meldung an die Schule (als Ausbildungsverantwortlichem), dass der Azubi die angebotene Anleitung und die Note "Wurscht" sei. Und auch klar dokumentieren, dass durch sein provokatives Hinterfragen der Qualifikation das Angebot der Anleitung als "abgelehnt" dokumentiert ist. Bedeutet: Es wird dokumentiert, dass der Azubi keine Anleitung will und daher keine stattgefunden hat. Somit fehlen die Stunden und er dürfte zur Prüfung nicht zugelassen werden . (evtl. sogar Richtung "Arbeitsverweigerung"??)

Ich weiß, meine Idee ist provokativ. Aber vielleicht könnte ein kurzfristiger Termin mit der Schule den Azubi zum Nachdenken bringen.

Nur eine Idee
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Ich stelle mir gerade vor, ich bin Azubi,. Habe so gut wie keine Anleiterstunden bekommen. Irgendwer hat aber unterschrieben, also nicht nur mich,den Azubi beschissen, sondern auch noch Dokumentenfälschung begangen. Die Anleiterstunden der letzten Jahre waren mehr oder weniger für die Tonne.
Dann kommt jemand der mich Anleiten will. Aus schlechter Erfahrung schon mal ange****t, frage ich die Person ob sie überhaupt befähigt ist mich Anzuleiten, denn ich habe keine Bock mehr auf eine schlechte Anleitung. Ich will nur noch mein Examen hinter mich bringen, stehe unter Druck. Weiß was ich alles noch nicht weiß. Evtl. hatte ich auch noch eine schlechte Woche und jetzt ist die PA ,leider zu meinem Blitzableiter geworden.
Ja, ja die PA ist bei allen Schülern beliebt, ich habe aber keine Lust mehr auf Vorschusslorbeeren, denn dafür bin ich schon zu oft auf die Schnauze gefallen.
Liebe PA nur weil du bei all den anderen Schülern beliebt bist, es fertig bringst eine schöne Atmosphäre herzustellen und dazu noch der Meinung bist das dir psychische Wohlbefinden der Azubis wichtig ist, bedeutet das nicht dass jeder Azubi so positiv auf dich reagiert.
Du kennst den Azubi EINEN TAG , er kennt dich einen Tag. In dieser Zeit ist es so gut wie unmöglich eine gute Beziehung aufzubauen. Du musst jetzt das ausbaden was die PA vor dir, seiner Meinung nach , vergeigt haben.
Woher soll er denn Wissen dass deine Ansagen nicht nur wieder hohle Phrasen sind, dass er von dir nicht genauso im Stich gelassen wird, wie er es die Male vorher empfunden hat?
Dass ihn in der Akutphase nicht interessiert, was du über Selbstreflektion gesagt hast, kann ich sehr gut verstehen. Ich kenne viele Menschen die sich selbst Reflektieren, das Ergebnis ist in so manchen Fällen unterirdisch.
Nur weil da jemand vor einem steht, der von sich behauptet er wäre motiviert und kompetent, glaube ich das noch lange nicht. Dieser Mensch muss sich erst mal beweisen.
Verlorenes Vertrauen, was dieser Schüler offensichtlich hat, ist nicht in einem Tag wieder herzustellen. Das braucht Zeit und Nerven. Etwas Selbstreflektion wäre auch nicht schlecht, ob man als PA nach einem schlechten Anfang gleich das Handtuch schmeißen soll.
Ich arbeite seit 45 Jahren in der Pflege und habe Legionen von Schülern angeleitet. Ein schwieriger kräfteraubender Job. Jedes Mal sich aufs neue Beweisen und Vertrauen schaffen. Wenn dann aber diese Schüler ihr Examen schaffen und sich dann auch noch einige bei dir bedanken für dein Engagement, dann weiß ich , es hat sich gelohnt.
 
Wenn ich dran denke wie Mies die Ausbildung mit der Generalisierung geworden ist...

Puh... was muß der Azubi ein Frust haben...

Find ich auch ganz schön komisch das du da gleich in den Sack haust.
Ich find sein Verhalten jetzt unfreundlich aber mehr auch nicht. Ich seh da keine Fehlverhalten.

Er hat schlichtweg nur die Wahrheit gesagt was dir vor den Kopf stößt. Das ist weder verboten noch Arbeitsverweigerung. Einzig wenn genau diese Stunden wirklich das Zünglein an der Waage zur Prüfung ist wird doof für ihn.

Aber wenn ich so auf meine Ausbildung zurück schaue... Ich habs geschafft mir genug Anleitung UNTERSCHREIBEN zum lassen. Ich war schon Mitte des 2. Lehrjahres mit der Pflicht durch. Ich war zwar immer noch über jede weitere detailliertere Anleitung glücklich in Hinblick auf die Prüfung. Ich war aber auch ehrgeizig und wollte eine gute Note. Auch dieser Ehrgeiz ist keine Pflicht.

Bei mir in der Klasse war auch so einer. Der hat sich absolut keine Mühe gegeben. Das was er geleistet hat, hat gereicht um die Klausuren und Prüfungen zu bestehen. Ich war da ambivalent. Der hat in den Job genausoviel reingehalten wie die Gesellschaft in uns. Eigentlich ist das nur gerecht. Der hat ne Einstellung... der wird nicht so schnell in den Burnout geraten. Eigentlich genau richtig.

Da hat sich mal einer nicht gefreut dich zu sehen. Wo ist denn da deine Selbstreflexion das du so bockig reagierst?
Ich hab da eher das Gefühl das geht an dein Ego und Eitelkeit. Find ich sehr unsouverän.

Wenn ich mich unter meinen Kollegen so umgucke ist das sogar Standardumgang.
 
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Verlorenes Vertrauen, was dieser Schüler offensichtlich hat, ist nicht in einem Tag wieder herzustellen. Das braucht Zeit und Nerven.
Grundsätzlich kann ich deinen Einwand nachvollziehen. JA Vertrauen aufzubauen braucht Zeit.
Allerdings zeigt die Aussage "....Meine Beurteilung ist ihm seiner Aussage nach"Wurscht", weil es in seiner Note eh nichtmehr mit einfließt. Er fragt mich, ob ich überhaupt eine PA mit Registrierung sei und meine FoBi's absolviert habe..*lach...::" dass der Azubi hier wohl kein Interesse an einem Vertrauensaufbau hat. Vor Allem das *lach... sollte einem zu Denken geben.
Daher kann ich die Anmerkung zu Cistrose "...Etwas Selbstreflektion wäre auch nicht schlecht, ob man als PA nach einem schlechten Anfang gleich das Handtuch schmeißen soll...." nicht ganz fair. Hier wird meiner Meinung nach die Täter-Opfer Position etwas verdreht.
Ja, das Leben der Azubis ist nicht leicht und der Umgang mit Ihnen ist nicht immer fair. Aber sie grundsätzlich als Opfer darzustellen ist auch nicht die Lösung. Auch bei Azubis gibt es nun mal schwarze Schafe. Und manchmal sollte man dann auch eine Grenze ziehen.

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Eure Reaktion zeigt einfach, egal wie man es macht, es kommt immer jemand und motzt. Wenn man es autoritär lösen würde, ist man zu hart, wenn man es demokratisch lösen will, ist man zu locker, wenn man nichts sagt, ist man zu ruhig, sagt man was, redet man zuviel.
Also, am besten mach ich es so wie ich es für mich mit meiner Lebenserfahrung am besten kann, ob es nun anderen gefällt oder nicht. Aber das Thema mit diesem Azubi ist deswegen noch lange nicht gelöst.

Du musst jetzt das ausbaden was die PA vor dir, seiner Meinung nach , vergeigt haben.
Da bin ich anderer Meinung! Ich finde schon, dass ich eine gewisse Haltung von einem erwachsenen Menschen erwarten darf. Hat er vorher was auszubaden gehabt, stand er viel eher in der Pflicht, mal den Mund aufzumachen, anstatt alles über sich ergehen zu lassen. Nö - ich bin kein Mülleimer von Azubis! Wir befinden uns immerhin in der Erwachsenenbildung.
Woher soll er denn Wissen dass deine Ansagen nicht nur wieder hohle Phrasen sind, dass er von dir nicht genauso im Stich gelassen wird, wie er es die Male vorher empfunden hat?
Du interpretierst. Du weißt nicht, was genau vorgefallen ist. Genau deswegen werde ich morgen mit den anderen PA darüber sprechen. Es kann auch möglich sein, dass es ein negativ aufgefallener Azubi ist, der den PA bisher nur Ärger gemacht haben könnte, wo keiner Lust auf Anleitung hat, und ich als Springer hingeschickt wurde. Dsegen möchte ich Einblick in die Anleitermappe haben, wie er sich auf Station die letzten 2,5 Jahren verhalten hat.
Nur weil da jemand vor einem steht, der von sich behauptet er wäre motiviert und kompetent, glaube ich das noch lange nicht. Dieser Mensch muss sich erst mal beweisen.
T#schuldige mal, das "Jemand" ist seine Anleitung. Muss ich deiner Ansicht nach zu Kreuze kriechen, mich vor ihm in den Dreck werfen, damit ich ihn davon überzeuge, dass er meine Anleitung zulässt? Ich lenke die Anleitung ! Akzeptiert er es nicht, beendet ich es.

ich arbeite seit 45 Jahren in der Pflege und habe Legionen von Schülern angeleitet. Ein schwieriger kräfteraubender Job. Jedes Mal sich aufs neue Beweisen und Vertrauen schaffen. Wenn dann aber diese Schüler ihr Examen schaffen und sich dann auch noch einige bei dir bedanken für dein Engagement, dann weiß ich , es hat sich gelohnt.
Dann lass dich doch wie Jeanne d'Arc feiern, die Retterin aller merkwürdigen Azubis. Ich werde es nicht tun! Werde keine erwachsenen Menschen, die 2,.5 Jahre vorher nie den Mund aufgemacht haben und für sich einstehen, von meiner Anleitung überzeugen, Nee!
Offensichtlich kann er ja sagen was er mölchte. Allerdings zur falschen Zeit und die falsche Person!
Wenn ich dran denke wie Mies die Ausbildung mit der Generalisierung geworden ist...

Puh... was muß der Azubi ein Frust haben...
Und genau das finde ich als den falschen Weg! Azubis ihre Ausbildung schlecht zu reden, für das sie drei Jahre Lebenszeit investieren. Niemand zwingt Leute, einen Pflegeberuf zu erlernen. Die es aber wollen, muss man nicht noch nebenbei mit solchen Meinungen infizieren. Sie kriegen doch ständig gesagt, wie schlecht ihre Ausbildung ist. Es muss sich grundlegend etwas in der Kommunikation unter examinierten Pfk ändern. Die Ausbildungen zur GuK, AP und GuKkp sind Schnee von gestern. Die Ausbildung in der Genaralistik lässt sich bestimmt in gewisser Hinsicht kritisch betrachten, aber bitte nicht vor Azubis.
Er hat schlichtweg nur die Wahrheit gesagt was dir vor den Kopf stößt. Das ist weder verboten noch Arbeitsverweigerung.
Damit vererbt man schlechte Eigenschaften in der Pflege an die nächste Generation weiter. Herzlichen Glückwunsch! Nämlich Schuldverschiebung zu betreiben und konstruktive Kritik abzuwehren. Damit lebst zu erfolgreich den Azubis vor, wie es nicht sein soll. Nämlich alles an den anderen abzuwälzen, ohne sich zu hinterfragen, wo der Eigenanteil des Geschehens liegt.

Auch bei Azubis gibt es nun mal schwarze Schafe. Und manchmal sollte man dann auch eine Grenze ziehen.
Genau. Ich schreibe mir nichts auf die Fahne, wenn ich vorurteilsfrei und offen auf Azubis zugehe.
Ich bin ja immer der Meinung, dass Azubis von Anleitern am meisten lernen, wenn sie die mögen.

Deswegen ist mir auch wichtig, dass sich Azubis unter meiner Anleitung wohl fühlen und nicht beklemmende Gefühle haben, dass ich toxisch auf sie einwirken könnte. Man erzählt mir ja auch viel, wie schlecht viele Anleiter sind. Immerwieder bin ich verwundert, warum dann niemand den Mund auf macht und darüber redet.
Mich erschreckt vielmehr die Tatsache, das man alles verschweigt. Niemand hat ihnen offensichtlich beigebracht, dass man konstruktive Kritik an seinem Ausbildungsverlauf äußern darf.
 
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