Übergabe am Patientenbett

mutters-kind

Poweruser
Registriert
13.03.2009
Beiträge
408
Beruf
Krankenschwester
Hallo Ihr Lieben...:flowerpower:

Wir machen seit geraumer Zeit eine Übergabe am Patientenbett,aber leider ertappe ich immer wieder Kollegen,die leise flüsternd auf dem Flur vor dem Patientezimmer stehen und dort das wesentliche sagen....dem Patienten wird dann nur eben schnell "guten Tag " gesagt...:dudu:
Immer wieder wird als Argument gebracht "...wie soll ich denn das machen???Der Patient muss doch nicht alles wissen... ":down:"..ich war doch sooo lange nicht da,da muss ich doch alles mitschreiben"...."ich kann nicht viel sagen,ich kenne den Patienten doch auch erst seit heute...."
Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, es geht doch um den Patienten,warum dann diese Scheu,den Patienten auch mit in die Übergabe einzubeziehen???Und mitschreiben???Wir haben doch Patientenkurven....
Wie kriege ich die Kollegen dahin,die Übergabe wirklich mit Einbeziehung des Patienten am Bett zu machen?????:schraube:


Allen einen schönen Sonntag
 
Hallo,

hoffentlich gar nicht.

Ich würde mich schön Bedanken als Pat. in einem 2,3,4 Bettzimmer, wenn alle dann meine Geschichte kennen, jeden Pickel am A..., Pilz in der V..., oder mein hochinfekt. Bein, Tripper usw. usw.

Genauso interessant würde ich das von den anderen Mitpat. finden.

Vielleicht ist das dann noch mein ungeliebter Schwipschwager oder ungeliebter Nachbar im selben Zimmer und in einer Kleinstadt weiß dann jeder was der oder ich habe und zwar vollumfänglich - Das ist ein NO GO

Ganz davon abgesehen ist das ein massiver Verstoß gegen den Datenschutz!

In den meisten KLiniken in denen ich Arbeite wurde das bereits wieder abgeschafft, soweit überhaupt vorhanden - Gott sei Dank.

Gruß
 
Bleiben die Fragen:
was muss der Pat. wissen? Inwieweit ist er aufgeklärt? Ist die Pflege für die Aufklärung zuständig?
Was erwartet der Pat. an pflegerelevanten Infos? Denn es geht ja um eine Pflegeübergabe.

Selbst mediziner breiten nicht alles im Patientenzimmer aus... bzw. sollten sie es nicht.

Elisabeth
 
Also,es geht ja nicht darum,Diagnosen oder sonstiges auszubreiten,es geht darum,dass der Patient miteinbezogen wird,selber Dinge erzählen und erklären kann usw.,er weiss,wer für ihn in der anschliessenden Schicht zuständig ist und ich mich als "gehenden"Pflegekraft nochmal vergiweiisern kann,dass alles fein ist,das Trinkglas voll ist,der Patient gut liegt u.ä.
Wenn ich mich recht erinnere,werden Mitpatienten bei der ärztlichen Visite auch nicht aus dem Zimmer geschickt...
Wenn Diagnosen,die dem Patienten nicht bekannt sind,übergeben werden,besteht die Möglichkeit,dass hinter verschlossener Tür zu tun.
Besucher schicken wir aus dem Zimmer.
Von den Patienten wird das im Übrigen gut angenommen und erstaunlicherweise ist bei dieser Art der Übergabe,wenn sie dann richtig durchgeführt wird,erstmal Ruhe....es wird deutlich weniger geklingelt und die Patienten fühlen sich gut aufgehoben,denn sie können live erleben,was die Pflegenden über sie wissen..Komischerweise dauert diese Übergabe auch nicht so lange,wie die Übergaben ohne Patient,man beschränkt sich nämlich auf das wesentliche....und man muss viele Dinge,die bei der Übergabe am Bett offensichtlich sind,nicht mehr erzählen...
 
Bleiben die Fragen:
was muss der Pat. wissen? Inwieweit ist er aufgeklärt? Ist die Pflege für die Aufklärung zuständig?
Was erwartet der Pat. an pflegerelevanten Infos? Denn es geht ja um eine Pflegeübergabe.

Selbst mediziner breiten nicht alles im Patientenzimmer aus... bzw. sollten sie es nicht.

Elisabeth


Natürlich sind Pflegenden nicht für die Aufklärung bei gestellten Diagnosen zuständig.
Und was ein Patient wissen muss?Naja,es geht schliesslich um ihn und ich als Patient würde das Recht einfordern,möglichst alles wissen zu wollen,was mich betrifft...
 
DU möchtest alles wissen... dies ist aber nicht bei jedem Pat. so.

Elisabeth
 
Hallo,

Wenn ich mich recht erinnere,werden Mitpatienten bei der ärztlichen Visite auch nicht aus dem Zimmer geschickt...
och ja, das ist ein stechendes Argument.

und was Ärzte machen braucht auch nicht hinterfragt werden???

Die Pflege braucht dann auch nicht Problembewußter sein?

Gruß
 
DU möchtest alles wissen... dies ist aber nicht bei jedem Pat. so.

Elisabeth



Das ist wohl wahr.....ich muss ja auch nicht jedem Patienten mein Wissen auf die Nase binden,wenn ich weiss,er will es nicht wissen.Ich denke aber,jeder aufmerksam Pflegende wird so etwas sehr schnell spüren und entsprechend handeln...:flowerpower:Ich habe ja auch nicht gesagt,dass eine Übergabe am Bett,eine Übergabe hinter verschlossener Tür bei Bedarf ausschliesst.Ich merke aber sehr wohl,dass die Mehrheit der Patienten durchaus wissen möchte,wie es weiter geht,welche Untersuchungen anstehen usw.
 
Ich merke aber sehr wohl,dass die Mehrheit der Patienten durchaus wissen möchte,wie es weiter geht,welche Untersuchungen anstehen usw.

Ich weiß, ist Korintheka**erei, aber dafür gibt es ja nun die Visite. Das fällt nicht primär in unsere Zuständigkeit...
 
Hallo,

och ja, das ist ein stechendes Argument.

und was Ärzte machen braucht auch nicht hinterfragt werden???

Die Pflege braucht dann auch nicht Problembewußter sein?

Gruß



Nein,es ist kein stechendes Argument,sicher nicht....ich habe nur noch nie gesehen,dass Patienten bei der normalen ärztlichen Visite aus dem Zimmer geschickt werden.Ich denke dabei nicht an ein Aufklärungegespräch.
Ich erzähle ja auch bei der Übergabe am Bett keine Geheimnisse,die die Mitpatienten eh nicht mitbekommen haben...sie sind doch meist dabei,wenn ein anderer Patient z.B. mobilisiert wurde,zu Untersuchungen geschickt wurde,gelagert wurde usw.
Es ist ja nun mal leider so,dass die Mitpatientn sehr viel voneinander mitbekommen,es sei denn,jeder hat sein eigenes Zimmer...Ich wüsste leider auch nicht,wie man dieses Problem beheben kann,aber vielleicht hast Du ja eine zündende Idee???
 
Was soll denn deiner Meinung nach nun konkret übergeben werden?

Herr Meier- seit xx bei uns- ...?

Was mich übrigens immer so stört, auch wenn die Übergabe net am Bett stattfindet, die Aufzählung aller geplanten medizinischen Diagnostik und Therapiemaßnahmen sobald diese terminiert sind. Da erfährste dann auch, dass der Pat. in der kommenden Woche zum CT geht. Wozu muss ich das heute in der Dienstübergabe hören? Termin steht im entsprechenden Programm bzw. in der Kurve. Für mich ist Relevanz, was heute meinen Dienst betrifft. Muss ich den Pat. für die morgige Untersuchung vorbereiten- und das nicht nur somatisch sondern auch psychisch, dann will ich es wissen- sonst net.

Elisabeth
 
Bei bekannten Patienten wird nur das für die nächste Schicht wichtige erzählt und besondere Vorkommnisse der Nacht,es wird nach dem Befinden gefragt u.ä.Die übergebenden Pflegekraft verabschiedet sich....
Bei nicht bekannten Patienten wird die betreffende Pflegekraft vorgestellt,der Patient wird gebeten,kurz aus seiner Sicht zu erklären,warum er da ist,ob sich das Befinden seit seiner Ankunft gebessert hat usw.
 
Hallo,
wir praktizieren schon seit Jahren die Übergabe am Bett und sind sehr zufrieden damit. Wichtig ist meiner Meinung nach das die Pat. über diese Vorgehensweise informiert werden und ihr Einverständnis dazu geben. Unsere Übergabe ist auf alle Fälle wesentlich professioneller,kürzer und wertefreier geworden. Wir haben einen Übergabestandart entwickelt an den sich alle halten.
LG von seebär
 
Hallo seebär,

wir praktizieren schon seit Jahren die Übergabe am Bett und sind sehr zufrieden damit
sehr schön für euch - und der Patient???
Wurde dazu schon mal ne Umfrage gemacht?

D.h. jeder im Zimmer ist über jeden ziemlich gut informiert?

Gruß renje
 
Bei uns gab es auch mal den Versuch der Übergabe am Bett.Allerdings immer nur bei der Übergabe vom Frühdienst auf den Spätdienst.
Dies wurde nach einiger Zeit wieder eingestellt weil sich bei uns viele Patienten über die Störung während der Mittagsruhe beschwert haben.
Ich fand es einerseits immer gut das man während der Übergabe schonmal die Gesichter zum Namen gesehen hatte anderseits fand ich es auch immer doof wenn man in ein 4 Bett Zimmer gedackelt ist wo alle schön am schlafen waren und man die Pat. dann durch sein Gesabbel geweckt hat.

Jedenfalls findet bei uns die Übergabe nun wieder im Dienstzimmer statt.
 
Hallo renje,
ich glaube behaupten zu können das das positive Feedback der Pat. auch dessen Zufriedenheit zum Ausdruck bringt. Eine Umfrage haben wir nicht gemacht.
Natürlich bekommt der Mitpat.was mit,aber die unterhalten sich ja auch über ihre Erkrankung. Ich arbeite auf einer Unfallchirugie und bei uns steht bei der Übergabe die Belastung,Mobilisation,weitere Versorgung im Vordergrund. Defizielle Dinge wie C2-Abusus,Hep.C etc. werden vor dem Zimmer weitergeben.
Wo ist Dein Problem?
LG seebär
 
Hallo,

Wo ist Dein Problem?
Na, ja - meins schon gleicht gar nicht. Aber wo ich Probleme sehe habe ich doch ausführlichst beschrieben.

Natürlich bekommt der Mitpat.was mit,aber die unterhalten sich ja auch über ihre Erkrankung.
Aha - darüber solltest du vielleicht in einer ruhigen Minute nochmal nachdenken, ob das eine Begründung sei kann oder sollte!?

Gruß renje
 
Diagnosen,Sucherkrankungen oder sonstige "geheimen"Dinge,sollten hinter verschlossener Tür übergeben werden.Ich kann aber durchaus einen neuen Patienten fragen,ob er mir kurz erzählen möchte,warum er zu uns kommt,oder,wenn er schon länger da ist,wie sein Tag war,wie er sich fühlt usw.
Viele Dinge lassen sich doch auch von dem ableiten,was ein Patient sagt....zumindest sollte das ein "Profi" können...
Der Patient soll das Gefühl haben,er wird mit einbezogen,es soll ja bei der Übergabe am Bett nicht über ihn,sondern mit ihm gesprochen werden.Er soll wissen,wer in der nächsten Schicht für ihn zuständig ist und der "ablösenden " Pflegekraft ist somit die Möglichkeit gegeben,sich selbst ein Bild über den Patienten und dessen Befindlichkeit zu machen...
 

Ähnliche Themen