Sexualität im Alter

simpline

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30.08.2010
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Hallo,
ich studiere gerade Sexualpädagogik und schreibe an meiner Semesterarbeit. Darin untersuche ich die Altenpflegeausbildung bzw. Ausbildungskonzepte in Bezug auf das Thema: Sexualität im Alter. Mir würde es sehr helfen, wenn ich hier erfahren könnte, ob und wie dieses Thema Bestandteil Eurer Ausbildung war und welche Unterrichtsinhalte von Euch noch erinnert werden.

Ich freue mich auf Antworten von Euch
Simpline:cheerlead:
 
Hallo,
in meiner Ausbildung war das Thema eher weniger Inhalt, zumindest in der Berufsschule. Naja, ich glaube, man hat uns mal beiläufig mitgeteilt, dass Menschen im höheren Alter "auch noch" sexuelle Bedürfnisse haben.
Kontakt zu der Thematik hatte ich dann mehr in der praktischen Ausbildung, von sexuellen Neigungen bis Handlungen.
LG Josi
 
Hi,

wahrend meiner Ausbildung (Krankenpflege vor etwas 25 Jahren) war es kein Thema, ich versuche mich zu erinnern ... soweit ich mich erinnere es war im Unterricht mal abgesehen von der reinen Fortpflanzung abgesehen überhaupt unausgesprochen.

Während meiner Arbeit unter einem Alten und Pflegeheim, es war Thema (sowohl bei Bewohnern wie auch beim Pflegepersonal - ich meine im Bezug auf die Bewohner!) In der Ausbildung schien es bei den Kollegen durchaus eine Rolle gespielt zu haben.

Während meiner Arbeit mit Wachkomapatienten, es war auch Thema.

Eigentlich sollte man diesen Thread erweitern, ich meine dahingehend: Wie wird in der Pflege auf Sexualität (auch im Alter) eingegangen, abgesehen von dem immer wieder angeführten Schamgefühl.

Andreas
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Antworten!

Josi, ich möchte Dich noch fragen, von welchem Jahr Deine Berufschulerfahrungen stammen und wie Du das mit den Praxiserfahrungen gemeint hast?
Wie sah den der Kontakt zu dem Thema aus? Hattest Du Kontakt zum Thema, weil es im praktischen Ausbildungsplan vorhanden war und mit der Praxisanleitung bearbeitet wurde?

Hallo Andreas,
kannst Du mir bitte noch erzählen, warum Du den Eindruck hattest, dass Kolleginnen eine andere Ausbildung genossen haben - in Bezug auf Sexualität?
...und zu Deinen Threaderweiterungswunsch - nur zu, schnack doch mal Deine Gedanken dazu raus.

Liebe Grüsse
Simpline
 
Hi,
Ich habe in meiner Ausbildung und bis in mein mündliches Examen wo die Frage kam Wie gehen Sie mit Sexualität im Altenheim um? Du kannst daraus schließen, das ich Altenpflegerin bin und in in den Heimen wo ich schon gearbeitet haben wird damit Unterschiedlich umgegangen . Die einen treffen sich heimlich im Zimmer und die Anderen halten Händchen in der Öffentlichkeit.:flowerpower:
Leider sehen das die Angehörigen meistens nicht so gerne , die können das nicht verstehen das es sowas auch noch im hohen Alter gibt.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag.
Grüßle Pflegemaus
 
Hi Pflegemaus!

ich kann mir ganz viel denken, aber bitte schreib doch noch mal ein klitztekleines bißchen ausführlicher. Soll ich mir denken, dass Du bis ins Examen hinein nix mit dem Thema zu tun hattest? Und wenn ja, wie findest Du das?
Wenn doch, wie Du auch beschreibst, einerseits das Pflegepersonal häufig damit konfrontiert ist und andererseits die Sexualität offenbar ein Bedürfnis ist, welches weder Frau noch Mann vollständig verliert, wenn man pfegebedürftig geworden ist.

Lieben Gruß
Simpline
 
hallo Simpline

ich habe mal eine Frage.

Wo fängt Sexualität an? Ist schon das Bedürfnis nach Nähe umd Wärme, ein Streicheln, ein Umarmen, Sexualität oder ist Sexualität etwas was mit Nacktheit, Petting und Geschlechtsverkehr zusammenhängt?

silverlady
 
Hallo,

@ simpline. Nun einfach wie Du Kolleginnen darüber sprachen, sie bezogen sich auch auf den Unterricht ohne jedoch konkret zu werden, also kann ich da nicht weiter sachdienlich sein.

Hallo die anderen.

Diese Sache mit dem Händchenhalten (manchmal auch unter dem Tisch) kenne ich, ebenso die Sache mit dem Zimmer.
Das seltsame daran war wie es gesehen wurde: Händchenhalten wurde als "niedlich" empfunden, passierte mehr (z.B. Zimmer, "anfassen") das war dann eher weniger niedlich. In einer Art stand man dem fast ablehnend gegenüber betonte aber das im Alter auch ein Recht auf Sexualität bestände.

Wichter Aspeckt war sicher auch, das die Pflegekräfte die "Paare" auch mit anderen Augen sahen z.B. deren einschränkungen im z.B. Bezug auf die Körperhygiene.

Insgesamt man hatte ein ambivalentes Verhältnis dazu, als Pflegekraft.

Freundlich

Andreas
 
Hallo Silverlady,

bei den meisten Menschen wird bei dem Wort gleich und oftmals nur der Koitus assoziiert Aber das Feld der Sexualität ist viel weiter zu begreifen. Zärtlichkeit, Phantasie, verschiedene Spielarten, Körper, Sehnsüchte, Ängste, Vorlieben u. Abneigungen - es ist schier unendlich und immer individuell. Im besten Fall ist man in der Lage selbstbestimmt seine Sexualität zu leben, indem man über Sexualität reden kann, über entsprechendes Wissen verfügt und sich mit seinen Besonderheiten akzeptieren kann. Und - alles ist erlaubt, wenn die Beteiligten verstehen können, was sie tun und damit einverstanden sind.

Gruß
Simpline
 
Hi Andreas

Das seltsame daran war wie es gesehen wurde: Händchenhalten wurde als "niedlich" empfunden, passierte mehr (z.B. Zimmer, "anfassen") das war dann eher weniger niedlich. In einer Art stand man dem fast ablehnend gegenüber betonte aber das im Alter auch ein Recht auf Sexualität bestände.

Inzwischen wissen wir Pflegekräfte um das Recht auf Sexualität im Alter. Aber viele Dinge scheinen uns im Weg zu stehen, die Befriedigung dieses Bedürfnisses auch zu akzeptieren und so wie alle anderen Bedürfnisse zu behandeln und zu unterstützen.

Woher kommt das ambivalente Verhalten von uns Pflegekräften?

Simpline
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Antworten!

Josi, ich möchte Dich noch fragen, von welchem Jahr Deine Berufschulerfahrungen stammen und wie Du das mit den Praxiserfahrungen gemeint hast?
Wie sah den der Kontakt zu dem Thema aus? Hattest Du Kontakt zum Thema, weil es im praktischen Ausbildungsplan vorhanden war und mit der Praxisanleitung bearbeitet wurde?
Hallo,
Meine Erfahrungen:
Einrichtung für Schwerst- mehrfach behinderte Erwachsene 1998- 2003

  • die geistig schwer behinderten Menschen hatten ein sehr enthemmtes Sexualverhalten:
    • war aber kein ausbildungs/ fortbildungs- thema
    • Kontakt durch Beobachten der sexuellen Verhaltensweisen (onanieren immer und überall)
    • Kontakt, weil man das Objekt sexueller Begierde war (gucken, grapschen, errektion bei der Körperpflege)
    • Gespräche mit Kollegen über den Umgang mit dem sexuellen Verhalten
Ausbildung Altenpflege 2003- 2006

  • Berufschule kein Thema
  • Ausbildungsbetrieb
    • durch Gesprächsinhalt im Ausbildungsbetrieb mit Kollegen
    • kein formales Vorgehen durch Anleiter o.ä., sondern eher situationsabhängige und anlassbedingte Gespräche
    • kontakt mit dem Thema durch die Patienten (einige, aber wesentlich weniger als im Behindertenheim):
      • Verhalten von Männern weibl. Pfegepersonal (nicht nur persönliche Erfahrungen) gegenüber ( ungewollte Errektion bei Körperpflege, grapschen, verbale direkte und indirekte "Angebote"- Komplimente, Aufforderungen bei der Körperpflege "da nochmal, hier mal ein bißchen doller, nein, dass müssen sie machen usw.)
      • Verhalten von Frauen weiblichem Pflegepersonal gegenüber: erfreutes Stöhnen bei der Intimpflege, an die Brust fassen
    • vermuteter Sex zwischen pflegebedürftigen Heimbewohner und seiner Ehefrau
  • Ambulante Pflege 2006 bis heute (wesentlich mehr als stationär):
      • Ablehnung von Männern sich von Männern, schwulen Männern pflege zu lassen, aufgrund von Ängsten vor Homosexualität.
      • Gespräche: Direkte Statements/ Gespräche zu sexuellen Notwendigkeiten/ Bedürfnissen, Gespräche über frühere/ vergangene sexuelle Aktivitäten
      • Ungefragte Information über Detaills von derzeit praktizierten Prostitution (Mit wem, wann, wo, was, wie, womit und wofür) und Fetischismus
      • Verhalten von Männern weibl. Pfegepersonal (nicht nur persönliche Erfahrungen) gegenüber ( ungewollte, grapschen, verbale direkte und indirekte "Angebote"- Komplimente, Aufforderungen bei der Körperpflege "da nochmal, hier mal ein bißchen doller, nein, dass müssen sie machen usw.)
      • Avancen und Komplimente von Frauen gegenüber männlichen Pflegern.
      • Sexismus
      • Befragung von Patienten über das eigene (der Pflegeperson) Sexualleben
      • Gespräche über Verhütung ("gut, dass es heute sowas gibt usw.")
      • Ach ja, Avancen von Angehörigen des zu Pflegenden
War bestimmt noch so einiges mehr...
Zumindest habe ich in der ambulanten Pflege immer das Gefühl, dass bei weiblichen Pflegebedürftigen das Interesse besteht gerade mit mir über Sex zu reden (weil ich twen bin? Weil ich eine Frau bin?). Zumindest habe ich nie das Gespräch eröffnet, da es bisweilen keinen Anlass dazu gab.

Kenne eine AP, die hat auch Sexdienstleistungen bei Bedarf für ältere Männer organisiert/ Kontakt verschafft zu speziellen Diensten.

Aber wie gesagt, Thema war das in meiner Ausbildung nicht.


Was vergessen?
Noch Fragen
LG Josi
 
Hallo Simpline,

wodurch sich dieses ambivalente Verhalten begründete. Nun ich denke (also alles andere als valide Daten) ein wesentlicher Punkt ist "Appetittlichkeit". Harn und/oder Stuhlinkontinenz (einer oder beider Partner, was Pflegenden bekannt war) hat wesentlich die Bewertung beeinflußt. Andererseits wurde dem Auftretenten eines weit über neuzigjährigen als "galanter Herr" mit ernsthaften und durchaus auch sexuellen Absichten Respekt gezollt.

Ein Punkt ist vielleicht auch das der Sexualität im Alter kein Raum (im wörtlichen und übertragenem Sinne) eingeräumt wird.

Außerdem ich denke jungere Menschen trauen älteren oder alten Menschen Sexualität (Wissen, Erfahrung und Umgang) nicht zu.

Anekdote hierzu. Es sicher zwanzig Jahre her, damals es gab eine Affäire in der Politik (Verteidigungsminister war Herr Wörner und dann gab es einen angeblich schwulen Genaral Herrn Kiesling). Meine Großmutter damals 92 Jahre lies mir gegenüber mal eine Bemerkung fallen:

" ... und ich glaube doch das der Kiesling schwul ist"

Ich war perplex!

Feundlich

Andreas
 
Auch mal etwas Senf zur Ambivalenz:
Ich denke, das Alter spielt bei diesem Thema zwar auch eine Rolle, aber auch Erziehung, Religion etc..
Außerdem hängen Sex, Liebe, Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit nicht in allen Köpfen zwangsweise zusammen. Auch nicht für mich. Für manche ist Sex triebhaft und dreckig, andere führen ein exisives Sexleben auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Manche können sich Sex ohne Liebe nicht vorstellen, andere brauchen Sex, aber wollen sich nicht binden. So unterschiedlich mag dann auch die Einstellung von der Sexualität anderer sein.
Auf gesellschaftlicher Ebene wird auch der gleichgeschlechtliche Sex häufig als abstoßend empfunden. Könnt man jetzt spekullieren woran das liegt, vielleicht ist es so ähnlich wie bei den Alten. "Randgruppen" der Gesellschaft? Zumindest für homosexuelle scheint sich eine positive Entwicklung abzuzeichnen. Hielt man denn Homosexuelle mal für weniger "Leistungsfähig" als kinderproduzierende und akzepierte hetrosexuelle? Ich denke.
Welches Bild entwickeln Pflegekräfte von Pflegebedürftigen? Viele nehmen den pflegebedürftigen Menschen nicht als ebenbürtig wahr. Er scheint kognitiv und körperlich unterlegen, ist bei den "einfachsten" Dingen abhängig von anderen (Ausscheidungen) wie ein Kind.
Und für die Gesellschaft sind sie auch nur ne finanzielle Belastung. Also wenig leistungsfähig, erwartet man auch nicht mehr.
Für Erwachsene sind Kinder normalerweise auch keine sexuellen Wesen. Entwickelt sich ein alter Mensch zu einem Hilfsbedürftigen, scheint sich in den Köpfen der Pflegekräfte ein Bild von einem Kind aufzubauen: Da wird der Waschilappen rausgeholt um das Popolein wischiwischi zu machen. Da meinen die PK immer besser zu wissen, was für den Alten gut ist. Da muss man den Alten nicht fragen/ informieren, dass er ab morgen am Sitztanz teilnehmen muss. Da muss man im Pflegeheim doch nicht an die Tür klopfen, wenn man als PK an seinem Arbeitsplatz arbeiten will. Da gibt es Aletegläschen für Zahnlose
Händchenhalten is süß, findet man auch bei kleinen Kindern, aber schon bei Erwachsenen nicht mehr, schon eher albern. Je älter die Leute werden umso süßer is das wieder. Ich verbinde Händchenhalten nicht mit Sex, schon allein wegen dieser Verniedlichung nicht. Sex ist nicht niedlich, dass is was ernstes, was für Erwachsene.

Vergessen darf man auch nicht die negativen Erfahrungen mit Annäherungsverhalten insbesondere auf Kosten junger Mädchen in der Pflege. JEDE erlebt das, nur nicht jede redet darüber oder wird unterstützt. Wenige entwickeln keine abstoßende Haltung, wenn sie ungewollt belästigt werden.

Anders habe ich eher eine positive Erfahrung gemacht. Eine alte Dame hatte ein besonderes Interesse an den Brüste der jungen Mädchen. Sie war sehr albern, wenn sie uns die Hände auf die Brüste gelegt hat. Wir haben gelacht und uns darüber "gefreut". Wir haben gescherzt und jeder hatte sie gern. Ist es vielleicht auch eine Geschlechterfrage?

Sex hat definitiv zu wenig Raum, insbesondere im Pflegeheim!!!

Und damit gute Nacht
 
Das Thema sexualität in der Ausbildung habe ich an der Altenpflegeschule im Kontext mit dem AEDL "Sich als Mann/Frau fühlen und verhalten" unterrichtet. Stundenanzahl lt. Curriculum 4 oder 6 Stunden. Angesprochen wurde u.a. das Recht auf und das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und direkt sexuelle Handlungen, zumal es in einigen Kooperationshäusern auch abschließbare Rückzugsräume für Bewohner gab. Die SchülerInnen waren eher ablehnend. Der Gedanke daran, das Menschne im Alter durchaus noch GV haben wollen und können war für die meisten unangenehm. Mein Eindruck war, das das die Auszubildenden Menschen im Alter der eigenen Eltern/Großeltern keinen Sex mehr zutrauten und meineten, der sei jüngeren Menschen vorbehalten.
 
Also ich kann aus eigener Erfahrung aus dem damaligen Stationsdienst mich meinen Vorrednern anschliessen.

Im Zuge meiner Ausbildung und meines Beruflebens hat sich auch die Einstellung zum "Alter" geändert. Vor meiner Ausbildung waren Leute mit 50 für mich alt, heute sind das für mich junge Leute und "alt" fängt für mich erst bei 75 oder so an, ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich.

Auch die Einstellung zur Sexualität im Alter hat sich geändert. So lange jeder Topf den passenden Deckel findet warum nicht. Da finde ich es doch deutlich abschreckender wenn pubertierende Jugendliche schon meinen "rummachen" zu müssen wie die "Großen"! Jeder hat ein Recht auf Sexualität, auch im Alter.

Ich kann aus der eigenen Familie berichten, dass meine Großeltern auch noch sexuellen Kontakt hatten (Streicheln, befummeln, "Petting", :smlove2:). Meine Mutter und meine Tante haben mir das mal berichtet, dass sie die beiden "erwischt" haben, weil sie einen Schlüssel zur Wohnung hatten und unangemeldet reingekommen sind (auch grenzwertig! Das zum Thema Intimsphäre!!! Konnten sie sich von mir auch anhören!). Ich weiss nicht für wen die Situation peinlicher war. Als ich das zunächst gehört habe war ich auch geschockt, und war wütend, dass sie mir die Geschichte überhaupt erzählt haben (meiner 9 Jahre jüngeren Cousine allerdings nicht, und wehe ich erzähle ihr davon! :gruebel:), man stellt sich sowas ja automatisch vor und natürlich ist das nicht unbedingt das "Perfekte" Bild der Großeletern die ein Enkel haben sollte/möchte.

Aber was solls, hauptsache die beiden hatten Spaß, denke ich mir heute!
 

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