Grenzziehung Pflege und Sexualität

Peter29

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16.11.2013
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Hallo,

ich bin Kunde eines ambulanten Pflegedienstes (habe dieses Forum jetzt erst gefunden) und möchte quasi als "Gegensatz" zur Diskussion "Sexuelle Belästigung durch Patienten" hier im Forum die Gegenseite ansprechen und berichten, was mir geschehen ist. Ich gehe davon aus, dass in diesem Forum mit der Ernsthaftigkeit diskutiert wird, mit der ich diese Zeilen geschrieben habe:

Zu "Sexuelle Belästigung durch Patienten" möchte ich zuvor doch auch klar sagen:
Ich trenne streng zwischen Pflegemaßnahmen - auch im Intimbereich - und Sexualität!
Manchmal kann sich einfach eine Erektion einstellen, ohne dass sexuelles Interesse besteht - schlicht durch die Manipulation im Intimbereich (eincremen etwa).

Und doch: In den Frühjahr- und Sommermonaten (wenn auch zugegeben heuer sehr heiß), finde ich es unpassend, wenn insbesondere jungen Frauen von 20+ die Brüste fast aus der Bluse fallen.

Nun zu "Grenzziehung Pflege und Sexualität" anhand zweier Beispiele:

Eine neue Pflegerin, Mitte 20, fragte mich während der Dusche, ob es mir denn gefallen würde, wenn ich Sie (richtig verstanden!) pflegen würde...
Ich habe Sie nach dem ersten Einsatz bei mir hinausgeworfen und dies beim Pflegedienst auch dokumentiert - kurz später war Sie nicht mehr bei diesem Pflegedienst beschäftigt!

Das zweite Beispiel ist etwas anders gelagert, war mir doch nicht weniger unangenehm:

Wieder während der Dusche fragte mich eine Pflegerin (diesmal eine andere und etwas älter) ob Sie "... auch vorne waschen solle." In der Annahme, dass Sie mir einfach die Leisten auswaschen würde, willigte ich ein (zumal viele andere Pfleger/innen am Schluss den Vorhang vorziehen, so dass ich alleine den Penis waschen kann). Plötzlich packte Sie meinen Penis, zog meine Vorhaut zurück und wusch die Eichel. Wenn auch vom pflegerischen her in Ordnung, hatte ich große Mühe, eine sehr unangenehme Situation zu verhindern! Dies u.a. auch deshalb, weil es mir aufgrund meiner Körperbehinderung sehr schwer und entsprechend selten möglich ist, Sexualität auszuleben.

Was ich zusammenfassend sagen möchte:

Sexuelle Anmache von Pflegerin zu Kunden finde ich ein absolutes "No go"!
Wenn wirklich klar ist, dass ich als pflegebedürftiger Kunde nicht provozieren will, dürfen Erektionen kein Problem sein und entsprechend braucht/soll niemand unangenehm berührt sein!
Sexuelle Anmache von Kunden zu Pflegerin finde ich ebenso ein absolutes "No go" - auch wenn dieses bei insbesondere älteren Herrschaften doch manchmal vorkommt!
 
Och mein Gott, natürlich sind das die Themen, die angesprochen werden sollten. Würdest du lieber von einem männlichen Pfleger gepflegt werden?

Die Grenzüberschreitung lässt sich manchmal nicht vermeiden. Ja auch das Eingreifen, wo es ggf. nicht nötig gewesen wäre, geschiet leider manchmal unbewusst. Du bist kognitiv uneingeschränkt, ich würde es vorschlagen, dass du mit der Vertrauensperson aus dem Pflegedienst deine Grenzen ganz klar ansprichst.

Ich habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt. Wenn ein Patient Erektion bekommt und wir uneingeschränkt kommunizieren können und ich es so einschätze, dass sein Zustand das erlaubt, dann sage ich dass ich den Raum für ein paar Momente verlasse und dem Patienten bisschen Privatsphäre lasse. Solche Themen in einem angemessenen Ton anzusprechen will gelernt werden.

Es tut mir unwarhscheinlich leid, für das was dir passiert ist.
 
Wohl der Kollegin, die es im Rahmen der Ausbildung net verlernt hat, den Menschen als Menschen zu sehen und net als Organansammlung die es gilt hygienisch rein zu halten.

Elisabeth
 
... (zumal viele andere Pfleger/innen am Schluss den Vorhang vorziehen, so dass ich alleine den Penis waschen kann)...

Kannst du dich nicht grundsätzlich im Intimbereich alleine waschen und das auch von vorne herein so kommunizieren ?
 
> Kannst du dich nicht grundsätzlich im Intimbereich alleine waschen und das auch von vorne herein so kommunizieren ?

Doch, kann ich - deshalb ziehen die meisten ja den Vorhang vor! Es ist nur eben so, dass wenn sie mir die Beine und Füße waschen, auch gleich die Leisten auswaschen. Und bis jetzt gab es eben niemals eine Diskussion, dass den Penis eben ich selbst wasche - dass mir die eine Pflegerin plötzlich die Vorhaut zurückgezogen hat, war mir einigermaßen unangenehm!
 
Normalerweise kann man dieses Problem einfach kommunizieren, in dem man sagt:: " Ich wasche den Penis selbst." 5 kleine Worte und das vermeintliche Problem wäre gelöst.... Wenn das in die Pflegedokumentation aufgenommen wird um so schneller und generell. Die Pflege sollte generell dafür genutzt werden, daß sie die Handgriffe übernimmt, die man selbst nicht mehr ausführen kann. Wenn der Penis selbst gewaschen werden kann, können die Leisten nicht selbst gewaschen werden ? Es ist evtl. nicht einleuchtend genug, wenn das Waschen der Leistengegend nicht selbst übernommen werden kann, daß der Penis vom Patienten alleine gewaschen werden kann, weil das unter Umständen unlogisch ist. Vielleicht ist ein anderer Pflegedienst in der Region in der Lage einen Pfleger für diese Aufgabe abzustellen, oder aber es können ältere Schwestern eingesetzt werden die mit dieser Situation nicht überfordert sind. Gruß Fearn
 
Bei so einigen Kollegen musst erst mal dazu kommen, diese Worte äußern zu können. Die sind so in ihrem "professionellen" Waschritus drin, dass jegliche Abweichung als Störung angesehen und damit unterbunden wird. So manche Kollegin glaubt, dass Pflege nur dann gut ist, wenn sie alles selber macht.

Ich versteh ehrlich gesagt nicht, warum der Pflegedienst gewechselt werden muss. Ist es net eher so, dass man die mangelnde Sensibilität kritisieren muss und diese Kritik auch ernst genommen wird?

Kein Wunder dass bei den meisten Deutschen der Gedanke an die professionielle Versorgung bei Pflegebedürftigkeit massives Unbehagen auslöst. Sie befürchten zurecht eine komplette Entmündigung unter dem Deckmäntelchen des Personalmangels.

Elisabeth
 

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