Übernahme der 1. Assistenz bei großen OPs

dieEv

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Hessen
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Krankenschwester
Akt. Einsatzbereich
OP
Hallo Forumsteilnehmer!
Ich bräuchte mal dringend Gesetzestexte (Links) zum Delegationsrecht. Ich kenne es zwar, habe es aber nicht schriftlich.

Wir übernehmen regelmässig im B-Dienst die 1.Assistenz der Chirurgen als Op-Pflegepersonal (die meisten ohne FWB), weil der Assistenzarzt in der Ambulanz nicht abkömmlich ist oder keine Lust hat.
Was heisst: Wir assistieren und instrumentieren gleichzeitig, auch bei größeren Eingriffen in der ACH, GCH und UCH. Was bedeutet, ich kann auch meiner Sorgfaltspflicht in Bezug auf Anzahl der Instumente, Tupfer, Kompressen usw. nicht nachkommen.
Bei der Sectio wäscht sich der Springer dazu.
Inzwischen kann man aber nicht mehr von einem Vertrauensverhältnis zwischen Operateuren und uns sprechen. Es gibt gewisse Chirurgen, deren Können sehr zu wünschen übrig lässt. Die auch mit der Aufgabe, als Unfallchirurg im B-Dienst allgemeinchirurgisch arbeiten zu müssen, überfordert sind.
In meinem letzten B-Dienst habe ich die Assistenz verweigert und darauf bestanden, dass der Assistent hinzukam.
Ich fühle mich auch moralisch verpflichtet dazu. Ich möchte kein Erfüllungsgehilfe bei fahrlässiger Chirurgie sein.
Zudem erhalten wir natürlich auch wenig Respekt im Alltag, aber dafür sind wir dann gut genug. Wir machen die Arbeit der Assistenten einfach mit und bekommen nicht einmal Geld dafür.
Die Chefärzte waren anderntags wirklich "not amused" und versuchten, mich einzuschüchtern (-Arbeitsverweigerung wäre das usw., es wäre ja alles mit der Geschäftsleitung abgesprochen, blabla).
Ich bin mir völlig sicher, dass die ärztliche Assistenz nicht zu den delegationsfähigen Aufgaben gehört, nur wo finde ich die Gesetzestexte??? Z.B. von Rossbruch.
Über Hinweise wäre ich echt froh!
dieEv
 
Hallo,

doch, eine klare Aussage in einem konkreten, durchaus ähnlichen Fall findet sich in Deinem ersten Link!

Etwas nach unten scrollen, Entscheidung des Arbeitsgerichtes Koblenz:

"Pflege im OP" Urteil zur Assistenz bei Operationen

Gruß Heino


Hallo Heino,

das Urteil geht von einer regelmaessigen Assistenz aus.Fuer "Notfaelle"die ja meistens im B dienst Anfallen wird in dem Urteil nichts gesagt.

@die Ev, ich denke mal das du in jedem Fall auf der sicheren"rechtlichen" Seite bist wenn du dich weigerst zu assistieren, wie du es vor deinen "Chefs" vertritts ist eine andere Sache.

Ich persoenlichhalte es auch fuer sehr gefaehrlich gleichzeitig zu instrumentieren und zu assistieren. So laeuft es bei uns zum Glueck nicht.
Entweder instrumentieren oder assistieren, Im normalen Tagesdienst haben wir Hilfspersonal was Haken haelt und das funktioniert ganz gut. Ansonsten waescht sich halt noch ein Scrub Tech oder Nurse zum assistieren mit.


usnurse
 
Hallo,

in dem Urteil ist nicht expressis verbis dargelegt, das das Gericht den Bereitschaftsdienst als Ausnahme betrachtet. Es räumt lediglich ein, "von Notfällen abgesehen" sei der Kläger nicht verpflichtet, ärztliche Tätigkeiten zu verrichten. Daraus abzuleiten, er sei im B-Dienst somit grundsätzlich dazu verpflichtet, ist nicht zulässig. Schließlich greifen die anderen Voraussetzungen des Spruches weiterhin. Zudem würde man wieder den Zustand der Regelmäßigkeit erreichen, wenn der B-Dienst grundsätzlich zur Assistenz hinzugezogen würde.
 
Vielen Dank erstmal für eure Hinweise.

In meinem Arbeitsvertrag steht auch nichts darüber, dass ich diese Aufgaben zu übernehmen habe.

Es wäre auch noch einmal etwas ganz anderes, wenn mit den Chirurgen, die wir derzeit haben, eine Vertrauensbasis bestünde, wenn sie routinierte Notfallchirurgen wären. Ich sehe mich aber nicht in der Lage (vor allem aus moralischen Gründen!), jemanden zu unterstützen, der eigentlich überfordert ist, aus falschem Stolz aber keine Hilfe beim Chef holt oder Ops nicht ablehnt, bzw. weiter verlegt.
Die tiefere Ursache ist natürlich der Sparzwang (politisch gewolltes Ausbluten-Lassen kleinerer Häuser) und der Ärztemangel. Die Verwaltung interessiert nicht, wie wir das hinkriegen. Somit wird die Chirurgie, die wir betreiben, immer gefährlicher.

Überdies ist ja ein Assistent im Haus. Der soll aber für Ambulanz und Station zur Verfügung stehen.

Mit meiner Weigerung habe ich die Ärzteschaft wohl etwas zum Kochen gebracht. War etwas, was sich die meisten nicht so recht trauen, weil: Was der Arzt sagt, wird gemacht. Schlimm genug; wo sind wir denn? Im Totalitarismus?
Manchmal dünkt mir, sie wollen uns für blöd verkaufen...
 
Ich weiß nicht ob ich hier 100% richtig bin.:weissnix:
Wir stellen seit einiger Zeit 2.Assistenz bei zB Endoprothesen OPs.
Jetzt will unser Beleg Urologe für seine großen OPs (Rad.Prostatektomien,Nephrektomien,etc) vom KH eine 1.Assistenz gestellt bekommen.Da Chir.Ass. ja ein rares Gut sind,ist unser Klinikleiter gleich auf die Idee gekommen,dass OP Personal kann ja......
Ich bin mir aber nicht sicher,ob das eine delegationsfähige Aufgabe ist?( Der Urologe wäre,neben der Instrumentierenden, und z.B.mir als Assistenz alleine.
Reicht das aus um eine echte Notfallsituation zu beherrschen?)
Zudem möchte er den Kreis der Assistenten auf 2!!! MA beschränken,was für diese beiden bedeuten würde.....sich mit Freizeit,Urlaub,BD immer nach dem OP-Plan des Urologen richten.
Das ist für mich vollkommen indiskutabel.Hat jemand eine Idee wie ich an Info kommen kann, um mich dagegen zu wehren?
 
Wenn sich das Team geschlossen weigern würde, die Assistenz zu übernehmen, hättet ihr eine Chance, würde ich sagen.
Bei uns war einmal die Rede davon, dass sich die Beleger ihr eigenes Personal zum Assistieren mitbringen sollten. Das macht aber nur der Augenarzt. Weil die Gyn vor undenklichen Zeiten vertraglich die Assistenz zugesichert bekommen hat, seien dafür extra 2 Stellen geschaffen worden, hieß es mal. Die Op-Zahlen sind aber seither ohnehin extrem gestiegen.
Die rechtliche Lage ist sowieso unsicher. Die Krankenhaus-Haftpflicht gilt zwar für solche Fälle auch, aber ganz klar nur für Aufgaben, die der Arzt eindeutig angeordnet hat. Wenn ich mir unsicher bin, diese erfüllen zu können, MUSS ich mich eigentlich weigern.
In der Grauzone sind wir recht oft.
Besonders ärgerlich ist, dass wir eigentlich ärztliche Stellen ausgleichen, ohne dafür in geringster Weise entlohnt zu werden.
 
Besonders ärgerlich ist, dass wir eigentlich ärztliche Stellen ausgleichen, ohne dafür in geringster Weise entlohnt zu werden.

Es passiert ja auch nichts! Keiner von uns geht dafür und wg. anderer Dinge mal auf die Straße um dafür aufmerksam zu machen!
Wenn die Pflege streikt, wird sie belächelt, wenn die Ärztschaft streikt, dann werden ganze Stationen bzw. OP- Säle dafür gestoppt!
Wir "durften" in diesem Jahr in unserer Pause demonstrieren gehen.... :schraube:
Da wird sich wohl auch in Zukunft mit unserer Ausbeutung und Nichtachtung wenig ändern.

Ich sehe es ja, speziell unsere OP- Pflege macht ja alles möglich: Sind wir z.B. unterbesetzt, "deixelt" das unsere Leitung schon "irgendwie", damit kein Saal geschlossen werden muss. Wenn z.B. ein Anästhesist wg. Krankheit zu wenig ist, werden Säle gschlossen.
Ich will damit sagen, solange wir in der Pflege alles immer mit uns machen lassen und alles möglich machen, passiert nix! Mehr Anerkennung haben wir dadurch auch noch nicht erlangt.

Das Dilemma liegt glaube ich auch noch an veralteten Rollenverständnis. Ich meine damit, das Frauen selten sich gegen etwas auflehnen, wenn ein Mann das tut, ist er stark und wird bewundert, wenn einer Frau etwas nicht passt, ist sie zickig.
Z.B. wird das ständige Rauchen bei unserer männlicher OP- Pflege geduldet und wenn eine weibl. OP- Pflege von uns einmal zu viel zum Rauchen war, dann wird sie ins Büro zitiert und ihr wird unterstellt, sie wäre faul. Und die männl. OP- Pflege ist dann nicht faul oder was!?
Ich finde diese noch falschen Rollenverständnisse merkt man noch ganz arg bei uns. Die Männer verrichten ihre Arbeit ganz gemächlich, nach dem Motto: in der Ruhe liegt die Kraft und die Frauen wuseln alle hektisch durcheinander, hauptsache der Laden läuft irgendiwe! :knockin:
Abschleißend meine ich damit, solange wir in diesem Hamsterrad mitlaufen bzw. es sogar anführen, passiert auch nix!
Ich will jetzt nicht einen auf Alice Schwarzer machen, aber speziell in meiner Abteilung, fällt das schon sehr auf.

Und zum Thema 1. Assistenz: ich bin dafür nicht ausgebildet (dafür gibt es bei uns CTA's). Zwar nur 3, aber für den Rest müssen sie mit ihren Ärzten auskommen. Ich sehe ja noch ein, irgendein Haken mal zu halten, das war's dann aber schon.
Was macht ihr denn wenn ihr die 1. Ass. übernehmt? Zunähen, Redonflaschen anbringen etc.!? Nee, also wer DAS macht, ist selber Schuld! :schraube: Das Delegieren hat ja sicher auch irgendwo Grenzen!
 
Moin,

mein erster Beitrag hier!

Ich arbeite schon lange im OP und habe oft die erste Assistenz übernommen. Aber nur bei Ärzten, die auch teamfähig sind, also bei Bedarf auch in der Pflege mithelfen.

Bei "echten" Notfällen (Patient ist akut gefährdet) muß ich natürlich auch helfen, aber in allen anderen Fällen muß der zuständige Arzt raus.


Tach auch

Klaus
 
Es passiert ja auch nichts! Keiner von uns geht dafür und wg. anderer Dinge mal auf die Straße um dafür aufmerksam zu machen!
Wenn die Pflege streikt, wird sie belächelt, wenn die Ärztschaft streikt, dann werden ganze Stationen bzw. OP- Säle dafür gestoppt!
Wir "durften" in diesem Jahr in unserer Pause demonstrieren gehen.... :schraube:
Da wird sich wohl auch in Zukunft mit unserer Ausbeutung und Nichtachtung wenig ändern.

Ich sehe es ja, speziell unsere OP- Pflege macht ja alles möglich: Sind wir z.B. unterbesetzt, "deixelt" das unsere Leitung schon "irgendwie", damit kein Saal geschlossen werden muss. Wenn z.B. ein Anästhesist wg. Krankheit zu wenig ist, werden Säle gschlossen.
Ich will damit sagen, solange wir in der Pflege alles immer mit uns machen lassen und alles möglich machen, passiert nix! Mehr Anerkennung haben wir dadurch auch noch nicht erlangt.

Das Problem liegt bei uns eine Ebene höher. Ich lasse einen Saal schliessen,wenn ich kein Personal habe.Aber meine PDL......OTon:Wegen fehlendem OP-Personal wird kein Saal geschlossen!!!!:angry:
Solange wir durch unsere eigenen direkten Vorgesetzten keinen Rückhalt haben,brauchen wir uns wegen anderer Berufsgruppen keinen Kopf zumachen.
Übrigens:Der Urologe hat mir gesagt,das Problem der 1.Ass soll auf "ärztlichem" Weg gelöst werden........
 
Das Problem liegt bei uns eine Ebene höher. Ich lasse einen Saal schliessen,wenn ich kein Personal habe.Aber meine PDL......OTon:Wegen fehlendem OP-Personal wird kein Saal geschlossen!!!!:angry:
.......

Na, immerhin kämpft man anderswo also mit den gleichen Problemen!

Durch eine neue B-Dienst-Regelung kommt jetzt immerhin jeder zu seiner halben Stunde Mittagspause. Das ist ein Fortschritt.
 

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