Patienten im Bett nach oben mobilisieren

Sonnenblume

Poweruser
Registriert
20.11.2004
Beiträge
518
Ort
Nähe Dortmund
Beruf
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
stationär - Unfallchirurgie
Funktion
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Hallo Zusammen ! :wavey:

Habt ihr einen Tipp, wie ihr bettlägriege Pat. am einfachsten und rückenschonsten im Bett nach oben mobilisiert ?

Klar Stecklacken oder bei uns die sogenannte "Geri" kenn ich natürlich auch, aber den Pat. damit hoch tragen ist sehr schädlich für den Rücken ...
wenn man den Pat. einfach hochzieht wirken doch zu viele Scheerkräfte auf ihn ein ...

Wie macht ihr das in der Praxis ? :-?

Liebe Grüße Sonnenblume :flowerpower:
 
Hallo Sonnenblume,

wie wäre es mit Kinästhetik? Spiralförmiges nach oben bewegen?

Liebe Grüsse
Narde
 
Gebe die gleiche Antwort wie Narde! leider kan man Kinesthetik nicht im Forum beschreiben.
Also Anmelden und Lernen!
:rocken:
 
ich schließe mich meinen vorrednerinnen an ! :D
 
Kinästhetik ist natürlich toll und zu bevorzugen, zumal auch der Patient was davon hat.
Ansonsten: Zu zweit mit Handtuch unterm Hintern und Armen von Pflegepersonal unter den Schulterblättern.
Oder: Gleitmatten verwenden (günstig, sehr komfortabel für Patient und Personal, schnell und bequem wenn man etwas Übung damit hat). Auch sehr praktisch um Umlagern.

Grüße,

Gerrit
 
Auch ich gebe mein KLARES Votum PRO Kinästhetik ab.
Ist jederzeit anwendbar. Auch bei (fast) jedem Patienten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Aber auch bei massiv adipösen Patienten ist es kinästhetisch gut durchführbar. Habe es mal am eigenen Leib bei einer Demonstration erfahren dürften, was für den Betroffenen angenehmer ist. Mein klares Votum siehe oben.
Und KEINE ARGUMENTATION bezüglich "Keine Zeit". Dauert nur wenige Sekunden länger (bis ein "Minütchen").
Was ist das im Vergleich zu einer lebenslänglicher Berufsunfähigkeit??? Ich denke, wer klar und logisch denkt, wird mir da zustimmen :wink1:
 
Und KEINE ARGUMENTATION bezüglich "Keine Zeit". Dauert nur wenige Sekunden länger (bis ein "Minütchen").
Hallo Mobitz,

die Minute die ich vtl. dadurch länger brauche, spare ich mehrfach ein, da ich keine KollegIn brauche die mir beim nach oben Mobilisieren hilft. Somit ist das Zeitargument für mich nicht ausschlaggebend. Weiterer Vorteil: der Patient ist entspannter, hat weniger Angst.
Eine Kinästhetiktrainerin hat eine Untersuchung auf einer Intensivstation bezüglich Zeit gemacht, dazu kann uns sicher Lillebrit mehr erzählen, die kennt die Dame nämlich.

Ich persönlich durfte die Eigenerfahrung machen wie es ist, wenn einem unter die Arme gegriffen wird und man nach Oben fliegt - leider hatte ich eine Claviculafraktur die gerade frisch operativ versorgt war und die Nachtschwestern waren der Meinung ich würde nicht "schön" Bett liegen.
Das ganze ging schneller als ich in meinen Nachwirkungen der Narkose denken konnte, dafür hatte ich aber dann die ganze Nacht Zeit darüber nachzudenken wie solche Handlungen auf Patienten wirken.

Liebe Grüsse
Narde
 
Schließe mich all meinen Vorschreibern an, die Kinaesthetik als Tipp gaben.
Erspart mir die zweite Pflegeperson, erledige ich z.B. beim Waschen mit wenn ich den Patienten eh von einer zur anderen Seite drehen muss, oder beim Wechseln von Inkomaterial. Manche Kollegen meinen zwar immer noch ich sei wahnsinnig das alleine zu machen, aber ich bin trotz langen Berufsjahren immer noch Rückenschmerzenfrei. Wiederum etwas, was manche meiner Kollegen nicht verstehen. Und ich verstehe nicht, wie manche Kollgegen sich nicht einmal durch Demonstration überzeugen lassen...:weissnix:
 
Ist jederzeit anwendbar. Auch bei (fast) jedem Patienten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Da ich auf der Unfallchirurgie arbeite sind die Ausnahmen die Regel:D Wer lässt sich schon gerne mit Oberschenkelfraktur spiralförmig nach oben bewegen... Aua

Und KEINE ARGUMENTATION bezüglich "Keine Zeit". Dauert nur wenige Sekunden länger (bis ein "Minütchen").
Bei vielen Patienten dauert das sehr viele Minuten länger, weil ich denen erst mal lang und breit erklären muss, weil viele Patienten alles, was nicht mit "hauruck" geht als suspekt empfinden. Selbst wenn der eine oder die andere danach feststellt dass das ja gut und schmerzfrei ging und mit wenig Kraft und und und darf ich am nächsten Tag wieder bei null beginnen (und ich meine jetzt nicht demente Patienten - die sind da oft einfacher zu überzeugen).

Weiterer Vorteil: der Patient ist entspannter, hat weniger Angst.
Nach meinem erleben lehnen viele Patienten gerade aus Angst die Kinästhetik ab.

Ulrich
der trotzdem versucht dieses Konzept so weit wie möglich und bekannt umzusetzen!
 
Hallo
Kinästhetik ist toll, keine Frage. Wenn ich mir 3 Nächte den Mund fusselig geredet und die Patienten überzeugt habe; sie dann wissen was ich mit ihnen vorhabe und sie sehr angetan sind von dem schonenderen Lagern flutscht es.Da muss ich dann aber die vorherigen Nächte seehr viel Zeit investiert haben um die Patienten zu überzeugen. Da ich wahrscheinlich die einzige auf Station bin die Kinästhetik anwendet(obwohl einige andere auch den Kurs besuchten)sind unsere Patienten die Hauruck-Methode, mit dem Durchzug zu zweit ,gewohnt. Bei schwierigen Patienten kombiniere ich Kinästhetik mit ein paar Tricks die ich auf einer Lagerfortbildung gelernt habe. Das nützt den Patienten und schont meinen Rücken. Es hilft schon viel wenn man das Bett in eine leichte Kopftieflage bringt und die Beine des Pat. anwinkelt, wenn er noch ein bißchen Kraft hat reicht ganz wenig und er rutzscht wie von ganz alleine nach oben.
Alesig
P.S.
Hier noch ein zynischer Tipp wie es auch geht.
Meine Lagerungshilfe während der Nacht, seit über 30 Jahren im Dienst und ohne Rückenschmerzen, bevorzugt den Handgelenksklammergriff zusammen mit dem Kniekehlenkraller einhergehend mit dem Seitenreißer. Das läßt jeden Patienten wie von selber zur Seite und Oben rutschen.
 
Hallo Sonnenblume,
dier erste Frage die Du Dir dabei stellen musst ist immer:

Was kann die Patientin tun? Wie kann ich sie in Ihrem Tun unterstützen?
Inwieweit kann sie z.B. Arme und Beine mitbenutzen, um kopfwärts in Rückenlage im Bett zu bewegen?

Kinaesthetics ist nützlich , um eine solche spezifische Situation zu analysieren...jedoch ist es schier unmöglich, hier im Internet mal nen "schnellen Tipp" respektive die "ultimative Lösung" zu geben.

Um zu einer Lösung zu gelangen, ist es notwendig, verschiedene Aspekte von Bewegung in Eigen- und Partnererfahrung kennen zu lernen und individuell zu nutzen.
Lernen kann man dieses in den Grund-und Aufbaukursen, welche Europaweit angeboten werden.

Kinaesthetics benutzt hierfür die sog. "Kinaesthetics-Konzepte", um verschiedene Blickwinkel auf Bewegungsaktivitäten nehmen zu können.

1. Interaktion
2. Funktionale Anatomie
3. Menschliche Bewegung
4. Anstrengung
5. Menschliche Funktion
6. Umgebung


Im 1. Konzept geht es darum, wie Menschen in Kontakt treten, interagieren und kommunizieren. Ziel ist es, die Sensibilität so zu schulen, dass ein gemeinsamer Austausch über Bewegung möglich ist.

Das 2.-4. Konzept beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten der Bewegung. Die Funktionale Anatomie beleuchtet den funktionellen Aufbau des Menschlichen Körpers in seinen stabilen und instabilen Anteilen. Betrachtet wird dieses auf den Ebenen der Knochen / Muskeln und Massen/ Zwischenräume. Das Thema Orientierung greift die Reihenfolge der Massen in der Bewegung auf.

Die Menschliche Bewegung knüpft daran an und betrachtet, wie man nun diese Anatomie gezielt für Bewegungsformen (Haltungsbewegungen- und Transportbewegungen) und daraus resultierende Bewegungsmuster (parallel und spiralig) nutzen kann.

Das Konzept Anstrengung behandelt den gezielten Auf- und Abbau von Muskelaktivität (ziehen und drücken) als Motor für die eigentliche Bewegung. Jede Aktivität benötigt eine spezielle Kombination dieser Anstrengungsarten, damit man sie ausführen kann.

Das 5. Konzept unterscheidet sich in sofern von den anderen, dass es verschiedene Kategorien von Menschlichen Funktionen benennt und unterscheidet. Es dient der Einordnung udn Klassifikation und kann auch zur Bestimmung der jeweiligen Kompetenz eines Menschen herangezogen werden...(Beispiel: Für Fortbewegung muss mann die Kompetenz haben, eine Position einnehmen und halten zu können).

Das sechste Konzept der Umgebung betrachtet, wie der Mensch seine Umgebung aktiv nutzen kann für spezifische Aktivitäten. Umgebung an sich (Pflegebetten, Stühle, Räume...) sind erstmal werde gut noch schlecht sondern als neutral zu betrachten. Die jeweilige Absicht betsimmt, ob die UMgebung passend ist oder nicht (Bsp: Lagerung. Wenn die Absicht ist, jemanden zu mobiliseren, dann muss die Unterstützungsfläche hart sein...die Unterstützung an harten Massen stattfinden. Ist die Absicht aber, den Pat. ruhig zu stellen, dann braucht es eine weiche Unterstützungsfläche sowie eine Unterlagerung an den Ziwschenräumen).


Diese sechs Konzepte lernst Du im Grundkurs kennen. Fokus ist hier die eigene Bewegung (personal "Ich").
Im Aufbaukurs werden spezifische Situationen analysiert unter Zuhilfenahme der Konzepte (professional "Ich und der Patient in einer komplexen Situation").
Den Übergang von der Anwender - zur Vermittlungsebene tust Du mit dem Peer Tutor und dem Trainer I (organisational "Ich in meiner Organisation").
Um dann selber Kurse geben zu dürfen, brauchst Du den Trainer II (Grundkurse) und Trainer III (Aufbaukurse).

Dieses soll einen kleinen Einblick geben in das komplexe und modular aufgebaute bIldungssystem.

Gelernt werden soll die Fähigkeit zu taktil-kinästhetischen Interaktionen über Bewegung und Berührung. Es gibt keine starren Techniken oder Muster, wenn etwas nicht geht....dann ändert es situativ ab.

Man kann daher auch nicht "Kinästhetisch" arbeiten ...sondern immer nur individuell nach "Herrn XY".

Daher kann man es auch überall anwenden. Wenn man aufgrund eines Krankheitsbildes kein spiraliges Bewegungsmuster ausführen kann, dann unterstützt man eben so, dass es mit der jeweiligen Einschränkung machbar ist.

Lille
 
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