Kinaesthetics

kinflow

Junior-Mitglied
Registriert
23.10.2008
Beiträge
68
Beruf
Gesundheits- und Krankenpfleger
Akt. Einsatzbereich
ambulante Pflege
Funktion
stellv. PDL, QMB, Pflegeberater
wer hat erfahrungen und interesse an kinaesthetics? ich mache gerade den kurs zum zertifizierten anwender und interessiere mich im speziellen für kinaesthetische ansätze um wertungsfreie feedbackinstrumente zu entwickeln.
ich suche hier erfahrungsaustausch
 
um mein anliegen noch etwas konkreter zu beschreiben: es geht mir um feedback das ohne lob und tadel funktioniert, sozusagen ein aufrichtiges und entwicklungsförderndes feedback das die grenzen des anderen achtet.
gerade in der ambulanten pflege haben wir wenig möglichkeiten uns im team direkt rückmeldung zu geben. wenn ich also auf tour sehe, dass mein kollege bei dem einsatz zuvor eine arbeit unerledigt oder unvollständig gelassen hat dann kann ich mir meinen teil dazu denken oder ihm rückmeldung geben. ich möchte gerne ein klima im team fördern das alle ermutigt sich rückmeldung zu geben ohne, dass sich jemand getadelt oder auf den schlips getreten fühlt. sondern, dass rückmeldungen als willkommene chance zur gegenseitigen hilfe gewertschätzt werden.
und dies alles möchte ich mal aus dem kinaesthetischen ansatz heraus betrachten
 
Hallo,
Kinaesthetics baut auf kybernetisch-sytemtheoretischen Ansätzen auf und ist im Prinzip "eine Lebenseinstellung". Es geht- wie Du sagst- um wertfreies Beschreiben und ein humanes Miteinander in einer Wertschätzenden Umgebung.
Es ist schwer, dieses hier so zu schreiben....Kinaesthetics muss man in einem Umfeld mit anderen er- und gelebt haben.

Im Prinzip ist die grundlegende Aussage, dass "der andere immer Recht hat". Jeder Mensch handelt aufgrund seiner Wahrnehmung, welche anderen aber so direkt nicht zugänglich ist. Handlungen (und wirken diese auf mich im ersten Augenblick noch so "abstrus"), entspringen also einer eigenen "inneren Logik" des anderen Menschen und machen im speziellen Kontext des anderen Sinn.

Dir geht es jetzt darum, genau dieses auch "zu Leben".
Vielleicht ist ein Ansatzpunkt die Sprache- denn Sprache schafft Realität.

Es ist ein Unterschied, ob ich versuche den anderen zu korrigieren und "zurecht zu weisen" ("Du sollst nicht...", "Du tust immer..."), oder aber zu bschreiben, wie etwas auf Dich wirkt ("Mir geht es momentan mit xy nicht gut...", "Ich fühle mich verletzte ...", "Mir macht Sorge, dass....").

Wenn Du nicht den anderen korrigieren willst, dann hat dieser auch nicht das "Bedürfnis", sich zu verteidigen und zu schützen.
Alles was Du tust, ist über Deine Wahrnehmung und Deine Gefühle zu reden. Genau hier kan dann im Dialog angesetzt werden...das Gegenüber kann auf Deine Aussage reagieren.


Vielleicht wäre eine Ausbildung in systemischer Beratung etwas für Dich?


Wenn Du mehr über die Grundlagen und den Hintergrund lesen möchtest (Vorsicht: nicht immer leichte Kost)



Maturana, H.; Varela, F. (1990) Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens.

V. Förster, H. ; Pörksen, B. (2004) Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.

V. Förster, H. (1993) KybernEthik.
 
vielen dank lillebrit für deine antwort über die ich mich sehr gefreut habe. das was du schreibst hat mich sofort an die gewaltfreie kommunikation (m. rosenberg) erinnert und ich sehe eine essenz, nämlich das respektvolle miteinander.
vielen dank auch für die buchtips.
 
Hallo,
ich denke auch, dass es Berührungspunkte gibt. Kinaesthetics setzt aber schon bei den Annahmen über einen anderen Menschen an. Das was ich über etwas denke, beinflusst mein Handeln und vice versa...
Gelingt es, auf die positiven Seiten, Vorzüge und Ressourcen eines Menschen zu blicken, dann kann ich hier ansetzen und auf genau das reagieren. Im Dialog bestätigt sich dieses dann....was mir widerum hilft, dem Gegenüber wertschätzend zu begegnen.

Ändern kann ich daher nur mich selber und meine "Betrachtungsweise".
Den anderen ändern zu wollen (was sich im permanenten tadeln a la "Du sollst nicht", "Musst Du schon wieder...." äußert) hat wenig mit Wertschätzung zu tun.
 
Wo siehst du die Grenzen des Konzeptes- A beim Patienten/ Bewohner und B bei der Pflegekraft?

Elisabeth
 
Hallo,
die Grenzen definiert jeder selber ... das was "den Kunden verkauft wird" ist das Handling (wie kann ich mit Patienten bewegen). Das ist ein kleiner Teil des "ganzen Kuchens" ....dahinter steckt noch sehr viel mehr, was dann im laufe der weiterführenden Ausbildungen vermittelt wird.