Vorlesen für bettlägrige Bewohnerin

die_sina

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27.11.2009
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Hallo,

Ich mache immer noch mein Praktikum in einem Altenheim, und es gefällt mir weiterhin sehr gut. ^^

Wir haben eine Bewohnerin dort, die komplett bettlägrig ist (wohl aufgrund eines Hirninfarktes in der Vergangenheit), also nichts mehr selber machen kann (sie wird gewaschen, umgelagert, sie kann keinen Schleim mehr abhusten, hat Schluckstörungen und deswegen eine PEG Sonde etc.). Dieser Zustand dauert schon längere Zeit an.
Sie reagiert manchmal auf Ansprache, ganz selten versucht sie noch zu sprechen. Sie bekommt auch noch manchmal gut mit, was um sie herum vorgeht, ist also auch nicht hochgradig dement, hat immer recht gut gehört.

Nachdem ich heute ihren Biographiebogen gelesen habe, möchte ich ihr gerne ein wenig mehr Ansprache bieten, da ich öfters mal eine halbe Stunde lang "frei" habe, und mich in der Zeit mit den Bewohnern beschäftigen darf.

In ihrem Biographiebogen gab sie an, täglich die Tageszeitung zu lesen. Eine Idee war also von meiner Seite aus spontan, ihr ab und an ein paar Zeitungsausschnitte vorzulesen, oder wäre das nicht gut (weil sie evtl. viele Neuigkeiten gar nicht mehr mitbekommen hat, verwirrt wird davon oder so?).

Außerdem hat sie in einigen Punkten angegeben, gläubig zu sein, bei Problemen zu beten und auch fest daran zu glauben, dass ihre Gebete erhört werden.
Nächste Idee war also ein paar Gebete oder "christliche Geschichten" vorzulesen, evtl. auch Geschichten die sie aus ihrer Vergangenheit kennen könnte (sie ist um die 90)?
Was gab es damals für Gebete, oder Geschichten, in denen der Glaube an Gott irgendwie involviert ist? Habt ihr da einen Tipp für mich als Atheistin? ;)

Und weiter habe ich mir noch überlegt, wie es mit Märchen/Kindergeschichten etc. eigentlich ist. Gute oder schlechte Idee? Ich möchte sie ja nicht irgendwie zu einem "Kind" machen oder so, in dem ich ihr Märchen vorlese...?

Ich wäre dankbar, wenn ihr mir ein paar Tipps geben könntet.

Lg
die_sina
 
Hallo die_sina,

ich finde es sehr schön, dass Du Dir ganz spezielle Gedanken um die einzelnen Bewohner "Deiner" Einrichtung machst. Wenn Du Die Zeit hast zum Vorlesen - lies. Dabei kommt es nicht wirklich auf die Inhalte an. Eine Kurz-Geschichte, die Du schön findest ist genauso geeignet, wie z. B. die Texte aus einer Kinderbibel. Dabei sind Märchen übrigens ursprünglich für Erwachsene geschrieben worden. Mach Dir also da keine Gedanken über Sinn und Unsinn. Du kannst Dich auch schlicht zu ihr setzen und über das sprechen, was Du auf Deinem Weg zur Arbeit so gesehen hast oder was Du gestern gekocht hast.... Wichtig ist die Zuwendung, die Du ihr in diesem Moment entgegenbringst. Als Atheistin musst Du mit niemandem beten oder über Gott sprechen, wenn es Dir nicht liegt. Aber nimm doch, wenn Du magst und sie es zulässt, ihre Hände und zeige ihr so, dass Du bei ihr bist.
 
Hallo die_sina, es ist schön, zu erfahren, dass nicht alle Praktikanten lediglich als Dispositionsmasse mißbraucht werden.
Stimulation in Form von vorlesen, singen, beten,erzählen bewirkt manchmal mehr, als Du Dir vorstellen kannst. Mich selbst hat das abseits vom regulären Arbeitspensum jedesmal beruhigt, runtergefahren, und die Bewohner, bzw. Patienten haben auf mich dabei auch einen zufriedeneren und ruhigeren Eindruck gemacht. Vor allem, wenn ich die alten, klassischen Gedichte rezitierte, war ihre Aufmerksamkeit spürbar.
Ich wünsche Dir viele gute Erfahrungen.
 
Hallo und erstmal ganz großen Respekt vor Deiner Einstellung :beten::up::up: !! Ich finde es super,wenn Praktikanten sich wirklich mit dem Bewohner beschäftigen und sich Gedanken machen !! Wer liest schon den Anamnesebogen ?? Nee,also wirklich,tolle Sache,wie Du da ran gehst und egal,was Du vorliest,die Hauptsache ist, daß die Bewohnerin merkt,daß jemand an ihrer Seite ist. Super,mach weiter so und Du wirst Deinen Weg gehen :daumen::daumen:.
 
hat immer recht gut gehört.

Nächste Idee war also ein paar Gebete oder "christliche Geschichten" vorzulesen
,

Versuche mal rauszukriegen, ob sie früher häufig Gottesdienste besucht hat oder
im Radio solche hehört hat. Wenn ja, es mal mit Orgelmusik und Liturgie akustisch versuchen, dabei ihre Augen und Mimik beobachten, ob ihr das vertraut oder angenehm ist.

n ihrem Biographiebogen gab sie an, täglich die Tageszeitung zu lesen. Eine Idee war also von meiner Seite aus spontan, ihr ab und an ein paar Zeitungsausschnitte vorzulesen,

Du kannst mal versuchen, ihr beim Zeitunglesen zu helfen, vielleicht kann sie noch irgendetwas selbst tun, z.B. mit einer Hand die Seite etwas auseinanderhalten, dann Bilder und Überschriften, Schlagzeilen vielleicht mal laut vorlesen.

Sie reagiert manchmal auf Ansprache, ganz selten versucht sie noch zu sprechen.

Na dann mal los!
 
Danke für eure Antworten.
Ich muss sagen dass ich mit dem Heim, in dem ich bin, echt total zufrieden bin- wir bekommen als Praktikanten wirklich viele Möglichkeiten, uns mit den Bewohnern genauer zu beschäftigen, neben den "normalen Pflegetätigkeiten". Wir dürfen nach Absprache spazieren gehen, uns mit dem Leuten unterhalten, spielen, malen- wenn gerade ein bißchen Luft in der Arbeit ist, steht uns das frei. Und auch, dass wir die Anamesebögen lesen durften (wir wollten gerne manche Dinge besser verstehen, wie z.B. einige schizophrene BW, oder mal erkunden, wer denn was gerne gemacht hat früher, und wenn man wie ein wenig "aktivieren" könnte), fand ich wirklich klasse.

Danke für eure Ideen. Ich werde morgen mal einen Gedichtband von mir mitnehmen als Einstieg, und mir dann ein paar weitere Ideen von euch rauspicken. Vielen lieben Dank!!!

Lg
die_sina
 
Es ist Weihnachten- warum sucht ihr so fern:

Die Geburt Jesu

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war,

5auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und er erkannte sie nicht, bis sie ihren ersten Sohn gebar; und hieß seinen Namen Jesus.

Besuch der Hirten

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
Lobet den HERRN, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seine Befehle ausrichtet, daß man höre auf die Stimme seines Wortes!
Und von ihm her ging ein langer feuriger Strahl. Tausend mal tausend dienten ihm, und zehntausend mal zehntausend standen vor ihm. Das Gericht ward gehalten, und die Bücher wurden aufgetan. Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, ein König, in dem Namen des HERRN! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
Ich will Frucht der Lippen schaffen, die da predigen: Friede, Friede, denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR, und ich will sie heilen
Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines hat gemacht und hat abgebrochen den Zaun, der dazwischen war, indem er durch sein Fleisch wegnahm die Feindschaft,
Und er ist gekommen, hat verkündigt im Evangelium den Frieden euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren; Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Die Weihnachstgeschichte kennt fast jeder.

Psalm 23 ist vielen ein Trost:
Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln
Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser
Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar

Es gibt viel bekannte Weihnachtslieder mit religiösem Hintergrund.

Es kommt nicht drauf an, dass du die richtigen Tetxe findest. Das ist fast unmöglich. Dafür ist die Auswahl einfach zu groß. Lies ihr das vor, was du gut findest, was du meinst ihr gefallen würde. Deine Stimme wird dein Ansinnen transportieren- und das ist das wichtigste: es ist ein Mensch da, der sich die Zeit nimmt für einen anderen bedürftigen Menschen.

Elisabeth
 

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