Rettungsassistent oder Arzthelferin in der Anästhesie?

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Adnan

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21.01.2007
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Hallo liebe Kollegen,

in unserem Haus herrscht akuter Personalmangel, besonders wir von der Anästhesieabteilung sind betroffen.
Jetzt steht der Gedanke im Raum, Arzthelferinnen und/oder Rettungsassistenten einzustellen und diese soweit fortzubilden, dass sie im Anästhesiepflegeteam mitarbeiten.

Was haltet ihr davon? Gibt es bei Euch auch derartige Ideen? Hat jemand Erfahrung mit "berufsfremden" Kollegen gesammelt?

Vielen Dank für Eure Hinweise zu diesem Thema.

Herzliche Grüße Adnan
 
Hi, ich werde seit 4 Monaten in der Anästhesie eingearbeitet. Ich bin direkt nach dem Examen in die Abteilung, und muss sagen, die ersten Wochen waren schon sehr heftig. Ich sitze teilweise immer noch nach Feierabend über meinen Büchern und lese was nach. Rettungsassistenten kann ich mir eigentlich sehr gut in der Anästhesie vorstellen, ist doch deren "täglich Brot", spricht meiner Meinung nach nichts dagegen. Die Rettungsassistenten-Praktikanten bei uns sind immer sehr motiviert und haben meiner Meinung nach eine hohe Kompetenz.
Ich habe auch mal Arzthelferin vor meiner Pflege-Ausbildung gelernt, das kann ich mir wiederum nicht so gut vorstellen. Die Ausbildungen unterscheiden sich doch gewaltig, allein der "Anatomie und Physiologie" Unterricht kratzte bei den Arzthelferinnen nur sehr an der Oberfläche. Ich glaube, ein Einstieg wäre irgendwie machbar, aber bestimmt sehr schwer.
 
Hallo Adnan,

in unserer Abteilung arbeiten immer mal wieder Kollegen vom Rettungsdienst ihre obligaten 2 Wochen in der Anästhesie mit. Man muss ganz klar sagen, dass es Unterschiede gibt. Aber wo gibts die nicht? Wir hatten mal nen Kollegen (Krankenpfleger), der war so was von ungeeignet. In unserem Haus wird schon Wert drauf gelegt, dass nur fachweitergebildetes Personal im Bereich Anästhesie oder Intensivpflege arbeitet. Wenn es freie Stellen gibt, werden nur Leute eingestellt, die dann auch bereit sind die Weiterbildung zu machen. Damit ist die Grenze ganz klar gezogen. Ohne Krankenpflege-Ausbildung gehts nicht. Aber ich denke, dass es durchaus auch gute Kräfte in den Reihen der Rettungsdienste gibt.

Schönes WE :boozed:
 
Vielleicht wäre der Gedanke einer Ausschreibung der Stelle einfach mal nicht schlecht. Es gibt dermaßen viele arbeitslose und darunter auch sicher kompetente Schwestern und Pfleger. Überall werden Stellen gekürzt und Verträge nicht mehr verlängert. Aus meinem alten Haus würden sich viele freuen, wenn sie weiter arbeiten dürfen.

Wie bereits einige erwöhnt haben, kann ich mir RD sehr gut vorstellen, Arzthelferinnen weniger!

LG Mara
 
krankenhaus und rettungsdienst gehören strikt getrennt. genauso wenig wie pflegepersonal präklinisch was zu suchen hat, haben retter was in der klinik zu suchen (ausser natürlich praktikas, logo).

@ claire grube:
ich glaub du weißt nicht wirklich was die aufgaben eines rettungsassistenten sind (bez. "anästhesie - täglich brot")

Ich bin definitv für eine strikte trennung zwischen klinik / präklinik und zwar in allen bereichen. Eine mischung macht auf dauer die pflege kaputt und auch zu zeiten des umbruchs im rettungsdienst, den ich sehr positiv bewerte und absolut befürworte (selber retter) würde sich so ein trend meiner meinung nach eher negativ auswirken.
 
Hallo!

Liebe Kollegen, ich bin erschüttert!

Ich habe das allgemeine Diplom - arbeite seit 5 Jahren auf einer Anästhesie und absolviere jetzt die Sonderausbildung für Anästhesie und Intensivpflege.

Um es mal etwas deutlicher zu machen - das hier sind strikte Horrorgedanken nicht fachlich kompetentes Personal auf die Anästhesie zu schicken!

Ich weiss, ja nicht was bei Euch das Anästhesiepersonal selbständig machen darf/muss. Aber bei uns wär es strikt unmöglich.

Rettungssanitäter und Notfallsanitäter haben sehr wohl ihre Ausbildung - welche aber vor allem kürzer ist und auch auf die präklinische Versorgung den Schwerpunkt legt.

Bitte denkt mal daran, einer eurer Verwandten würde am Tisch liegen und eine Arzthelferin oder Rettungsassistent führt die Narkose* garneddrandenkenwill*

Ich bin selbst mit der Einschulung neuer Mitarbeiter betraut und ich muss sagen, die Einschulung neuer Mitarbeiter mit Diplom dauert bei uns mindestens 6 Monate!!! Und nicht mal da sind Frischdiplomierte willkommen.

Ich würde euch raten, den Personalmangel anders zu entschärfen. Redet mit der Pflegedienstleitung und auch der ärztlichen Leitung. Ich bin auch der Meinung dass es rechtlich nicht korrekt ist, dass fachlich nicht qualifiziertes Personal auf einer Anästhesie tätig ist.

Ich hoffe ihr wisst, welch verantwortungsvollen Bereich ihr überhabt, ich glaube auch dass ihr vollständig überarbeitet seid, aber in der Qualität einen Abstrich zu machen finde ich den falschen Weg.

Bitte, jetzt nicht glauben ich halte nichts von Rettungsassistenten oder Arzthelferinnen - ich schätze ihre Arbeit sehr. Ich selbst bin auch im Rettungsdienst tätig. Aber ich würde es als eine Kompetenzüberschreitung empfinden!

lg S.
 
Mich erinnert das an die Diskussion über die Anästhesieassistenen, kurz MAFA genannt.
Das dieses Projekt ziemlich in die Hose ging und auf massiven Widerstand gestoßen ist, brauche ich glaube nicht mehr zu erläutern.

Umso mehr schockiert es mich, daß man überlegt Rettungsassistenten oder Arzthelferinnen in solch spezialisierte Bereiche wie die Anästhesie zu lassen.

Ich schließe mich der Meinung von dormicum uneingeschränkt an. Die Klinik und die Präklinik sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Auch wenn es einige Krankenschwestern und Krankenpfleger, Rettungsdienstler und Arzthelferinnen nicht so für wahr haben wollen.
Was anderes ist es, wenn jemand beide Ausbildungen hat und parallel beides tut, sprich die Klinik und die Präklinik.
 
Hallo,
wie viele meiner Kollegen bin ich auch der Meinung, dass keine Rettungsdienstler, Arzthelfer/innen, MAFA`s oder ATA`s in der Anästhesie als Pflegepersonalersatz arbeiten, angelernt oder ausgebildet werden sollten.
Die Fachkrankenpflege ist eine sehr spezielle und hochqualifizierte Tätigkeit, für die wir mindestens fünf Jahre durch die "Hölle" gehen. Wie kann jemand mit einer Berufsfremden und kürzeren Ausbildung diese Arbeit mit der gleichen Qualität leisten?
Auch Berufspolitisch sollten wir darüber Nachdenken ob uns "kleine Mäuse" unseren Kuchen langsam aber sicher aufessen sollen.
Wäre es nicht besser unsere Position zu stärken, Qualität zu leisten und zu vertreten, Weiterbildung zu fördern und nicht durch Minderqualifikation zu ersetzen?!

Viele Grüsse, frohe schaffen
 
Hallo,
Hallo,
wie viele meiner Kollegen bin ich auch der Meinung, dass keine Rettungsdienstler, Arzthelfer/innen, MAFA`s oder ATA`s in der Anästhesie als Pflegepersonalersatz arbeiten, angelernt oder ausgebildet werden sollten.
Die Fachkrankenpflege ist eine sehr spezielle und hochqualifizierte Tätigkeit, für die wir mindestens fünf Jahre durch die "Hölle" gehen. Wie kann jemand mit einer Berufsfremden und kürzeren Ausbildung diese Arbeit mit der gleichen Qualität leisten?
Auch Berufspolitisch sollten wir darüber Nachdenken ob uns "kleine Mäuse" unseren Kuchen langsam aber sicher aufessen sollen.
Wäre es nicht besser unsere Position zu stärken, Qualität zu leisten und zu vertreten, Weiterbildung zu fördern und nicht durch Minderqualifikation zu ersetzen?!

Viele Grüsse, frohe schaffen

Danke....super Beitrag.
 
So, nun sollte auch mal ein Betroffener zu Wort kommen. Bin Rettungsassistent und arbeite nebenher in der Anästhesie. Und ich fahre auch alleine meine Narkosen, Einleitung zu zweit und dann geht immer einer raus... wie es halt so ist.

Ich denke, dass die Rettungsassistent-Ausbildung nicht die schlechteste ist, es gibt nur viel Profilneurotisches Personal, dem es nicht um die Ausbildung, das Wissen, den Patienten geht, sondern halt ums geile Retten mit viel Blaulicht und TamTam. Grade wir lernen aber, wie in Extremsituationen mit oft wenig Material das bestmöglichste rauszuholen ist. Ein bißchen so ist es doch auch im OP?? Nur gibts meistens alles erdenkliche an Gerätschaften/Medis...

Es gibt ja Stimmen, die gehen noch weiter und fordern eine Medizinische Basisausbildung für Pflegeberufe, auf die dann jeweils die Fachrichtung aufgesetzt wird. Also vielleicht 1,5 Jahre Basiskurs und dann je nach dem was gewünscht wird, Krankenpflege, Rettungsdienst etc... So soll ein spätere Umstieg erleichtert werden, was grade uns im Rettungsdienst aus gesundheitlichen Gründen zu Gute käme... Und vielleicht manchem Anästhesie/Intensiv-Pflegekraft auch Spaß machen würde, mal ein bißchen im Rettungsdienst zu arbeiten. Grade Intensivpersonal kann ich es nur wärmsten ans Herz legen, vielleicht taucht dann Verständis auf, warum mal halt doch mal wieder reanimiert hat und dummerweise der Patient wieder angesprungen ist und man nicht dann den Tubus wieder gezogen hat, sondern auf Station gefahren ist. Aber das gehört jetzt eigentlich nicht mehr zum Thema.

Ich für meinen Teil denke jedenfalls, dass ein motivierter Rettungsassistent, mit ein bißchen spezifischer Fachweiterbildung durchaus im OP/Anästhesie eingesetzt werden kann. Und wer weiß, vielleicht wirds ja wirklich irgendwann mal so, dass auch Rettungsassistenten im Fachkurs zur Weiterbildung Anästhesie/Intensiv sind...

Es grüße kollegial

Tobi
 
Und ich fahre auch alleine meine Narkosen, Einleitung zu zweit und dann geht immer einer raus... wie es halt so ist.

*neugierigbin* Wie bist du haftungsrechtlich abgesichert?

Elisabeth
 
muss ICH abgesichert sein? Denke, dass geht auf die Kappe der Mediziner? Habe immer in Rufweite (Über Ausruf in der Praxis, max 20 m Weg) einen, sodass ich "nicht alleine bin".

Ist Anästhesiepflegepersonal extra abgesichert, wenn es einen Bock schießt? Denke, nicht mehr wie ich. Es wird die ganz normale (Haftpflicht)Versicherung der Klinik bezahlen, wenn nicht grob fahrlässig ist.
 
Muss ich doch auch mal was anmerken:

Von deiner haftungsrechtlichen Situation wird dich dann ggf. die Haftpflichtversicherung deiner Ärzte überzeugen.... und Richter machen Urteile....
Dass du ausreichend handwerkliches Geschick hast, sei dir zugebilligt.
 
So, nun sollte auch mal ein Betroffener zu Wort kommen. Bin Rettungsassistent und arbeite nebenher in der Anästhesie. Und ich fahre auch alleine meine Narkosen, Einleitung zu zweit und dann geht immer einer raus... wie es halt so ist.

Ich denke, dass die Rettungsassistent-Ausbildung nicht die schlechteste ist, es gibt nur viel Profilneurotisches Personal, dem es nicht um die Ausbildung, das Wissen, den Patienten geht, sondern halt ums geile Retten mit viel Blaulicht und TamTam. Grade wir lernen aber, wie in Extremsituationen mit oft wenig Material das bestmöglichste rauszuholen ist. Ein bißchen so ist es doch auch im OP?? Nur gibts meistens alles erdenkliche an Gerätschaften/Medis...

Es gibt ja Stimmen, die gehen noch weiter und fordern eine Medizinische Basisausbildung für Pflegeberufe, auf die dann jeweils die Fachrichtung aufgesetzt wird. Also vielleicht 1,5 Jahre Basiskurs und dann je nach dem was gewünscht wird, Krankenpflege, Rettungsdienst etc... So soll ein spätere Umstieg erleichtert werden, was grade uns im Rettungsdienst aus gesundheitlichen Gründen zu Gute käme... Und vielleicht manchem Anästhesie/Intensiv-Pflegekraft auch Spaß machen würde, mal ein bißchen im Rettungsdienst zu arbeiten. Grade Intensivpersonal kann ich es nur wärmsten ans Herz legen, vielleicht taucht dann Verständis auf, warum mal halt doch mal wieder reanimiert hat und dummerweise der Patient wieder angesprungen ist und man nicht dann den Tubus wieder gezogen hat, sondern auf Station gefahren ist. Aber das gehört jetzt eigentlich nicht mehr zum Thema.

Ich für meinen Teil denke jedenfalls, dass ein motivierter Rettungsassistent, mit ein bißchen spezifischer Fachweiterbildung durchaus im OP/Anästhesie eingesetzt werden kann. Und wer weiß, vielleicht wirds ja wirklich irgendwann mal so, dass auch Rettungsassistenten im Fachkurs zur Weiterbildung Anästhesie/Intensiv sind...

Es grüße kollegial

Tobi

sorry , motivierter Rettungsassistent hin und her ..... aber du musst in deinem Inneren wirklich zugeben dass du nicht die grosse Ausbildung hast und überleg in Zukunft mal wenn du allein Narkosen machst ob du wirklich dazu ausgebildet bist oder ob du dir dabei nur "gross" vorkommst. Ich find es schlicht und einfach fahrlässig!!!
Mach die Ausbildung zum DGKP und dann reden ma weiter. Wir reden hier nicht von Kursen sondern von Ausbildungen! Und alles so gefühlshalber irgendwie machen und dabei glauben dass man es qualitativ macht ... naja da geht mir einfach die Galle über ! Sorry
 
muss ICH abgesichert sein? Denke, dass geht auf die Kappe der Mediziner? Habe immer in Rufweite
Hurra:klatschspring: na das hört man doch gerne! :)

Ein 16-jähriger könnte vielleicht auch alleine ne ganz passable Narkose fahren, durch simples Nachahmen des Arztes wenn er 100 mal zugeguckt hat und einigermaßen intelligent ist.

Und jetzt der Standardspruch, der jeden nachdenklich macht *ironie*..."Aber was passiert, wenn was passiert?"

Bezieht sich wie sich jeder denken kann auf Komplikationen. Hab ich die Ausbildung sie zu beherrschen? Hab ich die Ausbildung sie zu vermeiden? Überschätze ich mich wirklich nicht?
Wenn alle diese Punkte für einen sprechen, gibt es nur noch einen: Setze ich mich rechtlich eventuell in alle Nesseln?
 
Welche Folgen solch Handeln hat, kann man derzeit sehr schön bei den Helioskliniken sehen. Die haben Anästhesiepersonal extra spezialsisiert zu sogenannten Mafas.
Es gab zwei Zwischenfälle mit Folgen für die Patienten. Das Mafa-Konzept musste eingestellt werden. Rechtliche Folgen für die Pflegekräfte sind zu erwarten.

Ergo: sogar eine Extraausbildung schützt dich nicht. Du bist stets allein für dein Handeln zuständig. Der Arzt kann delegieren... aber ebend nicht alles.

Elisabeth
 
Hier kann ich dir nur recht geben!!! Was ist wenn etwas passiert! Find ich gut dass dieses Thema aufgeworfen wird :-) Rechtlich abgesichert sind meines Wissens nur Fachschwestern für Anästhesie und Intensivpflege mit Sonderausbildung ! Und genau um das dreht es sich. Ich bin mir auch sicher ich könnt so manche kleinere Operation wenn ich länger zuschaue auch selber machen und nachahmen ---- nur dass kann ich eben nicht machen - dazu muss man die richtige AUSBILDUNG haben! Also man muss schon in seinem Fach bleiben und nicht jemanden nachahmen! Ihr seid doch keine Hobby-Anästhesisten???? Wirklich bitte macht euch nicht lächerlich ..
 
Interessant wäre ein Link zu diesem "Mafia"-dingens. Das ist mir völlig unbekannt.
 
ups ::mrgreen: ok danke, so find ich wahrscheinlich auch was über google
 
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