Sexualität im Alter

Elisabeth Dinse

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Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
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Angeregt wurde ich zu diesem Thread durch den Beitrag: http://www.krankenschwester.de/foru...se/14811-sexuelle-belaestigung-patienten.html .
Irgendwie bescheicht mich da ein eigenartiges Gefühl. Zu schnell wird nach Schuld gesucht. Vielleicht kann man das Thema noch von einer anderen Seite beleuchten.

Was wissen wir über Sexualität, Altersexualität, Sexualität und Demenz?
In unserer Gesellschaft lässt sich ein konturenscharfes, generalisiertes Stereotyp zur Sexualität im Alter ausmachen.“ (Müller in Howe 1993, S.135) Sexualität wird als Vorrecht der Jugend angesehen. „Allein der Gedanke an sexuelle Betätigung alter Menschen, die Vorstellung geschlechtlich aktiver Greise – ganz zu schweigen von Greisinnen – verursacht Unbehagen, Widerwillen, gar Abscheu und Ekel und dies bei Jungen ebenso wie bei den Alten selbst.“ (Goldner in Schmidthals 1990, S.205) Sexualität alter Menschen hat es „gefälligst“ nicht zu geben und wenn doch, so folgt im gleichen Augenblick die Etikettierung als abnorm, krankhaft oder pervers, bestenfalls noch lächerlich.
Mythos Asexualität im Alter - Der Umgang mit Alterssexualität, Einflüsse und Problemlagen

Dieses Statement bringt es auf den Punkt: es gibt keine Sexualität bei alten Menschen. ... Oder liegt das Problem bei uns- und wir können nicht mit dem Problem professionell umgehen?

Was wissen wir über Sexualität, Altersexualität, Sexualität und Demenz?

Elisabeth
 
Offensichtlich wissen wir nichts darüber!

Ich bin bei meiner Arbeit eigentlich täglich damit konfrontiert und sehe grosse Unterschiede bei der Akzeptanz einiger Kollegen. Die einen unterstützen die Bedürfnisse unserer Bewohner, die anderen finden es abartig.

Wir haben einige BewohnerInnen, die sich regelmässig selbst befriedigen oder es zumindest versuchen. Ja mit welchem Recht bitte gehen da einige Mitarbeiter hin und weisen diese Menschen darauf hin, dass man "das" nicht tut?
Ebenso haben wir ein Pärchen, dass sich bei uns im Heim kennengelernt hat. Nicht selten kam es vor, dass sie vom Personal gestört wurden, wenn sie nackt im Bett liegend Zärtlichkeiten ausgetauscht haben. Gut, das konnten wir mittlerweile in den Griff kriegen mit einem Schild, welches sie an die Türe hängen können, wenn sie nicht gestört werden wollen.

Mich ärgern dann teilweise solche Kommentare wie: naja, gibt erotischeres als sich gegenseitig in den vollgepinkelten Einlagen rumzufingern.....

Können wir nicht nachvollziehen, dass diese Menschen, egal wie alt sie auch schon sein mögen auch ganz normale Bedürfnisse nach Nähe, Liebe, Sexualität haben?

Gruß Schreiberling
 
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Reaktionen: midnightlady24
Ich erwischte mich auch dabei, die Sexualität älterer oder behinderter Menschen als "unnormal" zu sehen, als ich noch 18 war. Man kann sich in dem Alter ja auch nicht vorstellen, dass ab dem Alter von ca. 30-Jährigen noch irgentwas "sinnvolles" läuft. Genausowenig wie man sich den Sex der Eltern vorstellen kann. Dann wird man reifer und erkennt dass es viele Facetten von allem gibt, und dass man auch später nicht plötzlich ein anderer Mensch wird. Bei den Kollegen wird das auch eher skeptisch gesehen. Ich übe mich in Toleranz. Wo ich immer noch Probleme habe, ist, wenn ich Bew. habe, deren Entscheidungen sehr beeinflussbar sind, die die Gefahren nicht mehr abschätzen können, wo sind die Grenzen? Was toleriere ich, bei was greife ich ein, z.B. wenn ich sehe der/ die Bew. kann die Tragweite nicht mehr überblicken? Auch ältere Männer nutzen Frauen aus, so ist es nun mal. Wir haben ja auch eine gewisse "Aufsichtspflicht"! Wie reagieren die Angehörigen? Dürfen Menschen noch selber über ihre Sexualität entscheiden, wenn sie unter Betreuung stehen? Es ist leider nicht immer klar und bedarf unseres Mitdenkens. Es ist nicht einfach! LG Josi
 
Wäre nicht eigentlich erst mal zu erklären: was ist den Sexualität?

Elisabeth
 
Extra für dich Elisabeth
Sexualität des Menschen - Wikipedia

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Was ich damit sagen will: Sexualität ist individuell und es ist völlig egal was ein einzelner für Sexualität hält, oder was "wir" hier beschließen was Sexualität ist /sein sollte.
Sexualität ist, was konkrete Patienten meinen was es ist - und es ist individuell zu handhaben.
(was natürlich wie erwähnt schwierig ist - und ich bin froh nicht direkt damit konfrontiert zu werden)
 
Sexualität ist ein wichtiger Teil des Menschen. Sie beginnt bereits mit der Geburt. Denn auch die Berührungen und der Körperkontakt mit der Mutter sind Teil der kindlichen Sexualität.
Sexualität

Die Sexualität hat viele Gesichter, denn jeder Mensch erlebt sie auf seine Weise. Je nach Herkunft, Religion oder Erziehung wird Sexualität unterschiedlich gelebt und mehr oder weniger offen behandelt. Für die meisten Menschen nimmt die Sexualität eine zentrale Bedeutung in ihrem Leben ein. Sie kann positive Energie verleihen, für Glücksgefühle sorgen und das allgemeine körperliche Wohlbefinden steigern.
Die Medien vermitteln häufig ein Bild von Sexualität als puren Lustgenuss, der dem Bedürfnis der meisten Menschen nach Akzeptanz, Geborgenheit und Vertrauen nicht gerecht wird. Sexualität besteht aus mehr als nur dem körperlichen Kontakt zweier Menschen - besonders für Frauen ist sie meist sehr eng mit einer emotionalen Bindung an den Partner verknüpft. Ein liebevoller Umgang miteinander und eine vertraute Atmosphäre sind die Voraussetzungen für ein befriedigendes Liebesleben.
Sexualität

Für eine befriedigende Sexualität gibt es keine Altersgrenze. Doch verändert sich mit zunehmendem Alter die Art der sexuellen Kontakte. In der Regel nimmt die Häufigkeit sexueller Kontakte mit dem Alter ab. Es zeigt sich auch eine Verschiebung vom Geschlechtsverkehr hin zu vermehrt anderen zärtlichen sexuellen Kontakten. Denn Sexualität ist in allen Altersgruppen nicht nur auf den Geschlechtsverkehr beschränkt.
gesundheit.de - Sexualität im Alter - gibt es das überhaupt noch ?

Menschen mit Demenz brauchen weiterhin Zuneigung, feste Beziehungen und auch Berührungen. Zärtlichkeit und Körperkontakt sind sogar sehr wichtig für sie, denn die Fähigkeit zu sinnlicher Kommunikation bleibt sehr viel länger erhalten als die sprachliche Kompetenz. Je nachdem, wie stark die Demenz sie beeinträchtigt, können sie ihr Bedürfnisnach Körperkontakt besser oder schlechter Ausdruck verleihen
Demenz

Viele Ansichten ... und trotzdem ist es notwendig als Pflege sich mit dem Thema Sexualität zu beschäftigen. Dazu gehört auch Hintergrundswissen und da meine ich jetzt nicht das Kamasutra. *g*

Elisabeth
 
Wir haben einige BewohnerInnen, die sich regelmässig selbst befriedigen oder es zumindest versuchen. Ja mit welchem Recht bitte gehen da einige Mitarbeiter hin und weisen diese Menschen darauf hin, dass man "das" nicht tut?


darf ich mal ganz doof fragen wieso??
 
Hallo Maniac,

ich glaube, da hast du was falsch verstanden:
Zitat von Schreiberling
Ja mit welchem Recht bitte gehen da einige Mitarbeiter hin und weisen diese Menschen darauf hin, dass man "das" nicht tut?
Angel_eye wollte wissen, wieso die Mitarbeiter da hin gehen und die Menschen darauf hinweisen!

Mit welchem Recht also?
 
darf ich mal ganz doof fragen wieso??

Klar darfst Du fragen. Kanns Dir nur leider net wirklich beantworten!
Ich gehöre eher zu der Fraktion, die solche Bedürfnisse unterstützt und auch gutheisst.
Leider gibt es aber Kollegen, die das anders sehen. Hab neulich z.B. mit einer Kollegin darüber gesprochen, dass ihr eigener Sohn (6 Jahre alt) seine Mutter noch NIE nackt gesehen hat. Ich fragte sie: Warum eigentlich? Ihre Antwort: Gehört sich nicht, sich so vor seinem Kind zu zeigen..... die Kollegin ist übrigens grade mal 32 Jahre alt.... Ich dachte eigentlich, ich (36) gehöre zu einer Generation, die mit Sexualität anders umgeht als die meisten unserer Bewohner das erziehungsbedingt tun.
Ganz offensichtlich vertreten eben solche Kollegen die Meinung, alte Menschen haben gefälligst keine sexuellen Bedürfnisse mehr zu haben. Das sind meist auch die Kollegen, die z.B. schwulen oder lesbischen Arbeitskollegen unterstellen, sie seien abartig und nicht normal.... soviel jetzt zum Thema Toleranz. Aber gut, das ist ein ganz anderes Thema! Traurig aber wahr!

Gruß Schreiberling
 
Tachchen,

bisher gab es "Pärchen" in jedem Seniorenheim in dem ich bisher arbeitete und die, die es nicht gut fanden waren dort meist in der Unterzahl oder die Angehörigen.
Auf Grund meiner Jugend :verwirrt: sehe ich das vielleicht sehr locker.
Warum sollten sich ältere Menschen nicht zusammen tun, in welcher Form auch immer.
Ich denke die meisten suchen nur Nähe und Geborgenheit und nicht einmal die aktiv sexuelle Komponente.
Verwerfliches kann ich daran nicht entdecken, wenn ich mehrere Menschen, verschiedenen Geschlechts oder auch gleichen, auf engerem Raum zusammen leben lasse kann sich so etwas eben entwickeln und ich kann nicht verstehen warum man daran mit Gewalt etwas ändern muss oder es verbieten sollte.

Gruß
Dennis
 
Hallo, ich bin neu hier in diesem Forum. Ich bin Altenpflegehelfer in einem Seniorenheim.

Nun zur Frage:
Ein Bewohner hat sich bei der Selbstbefreidigung mit einem transportablen Duschstuhl am Geschlechtsteil verletzt. (kleiner Einriss an der Vorhaut).

Die diesthabende Fachkraft hat beim Inkontinenzmaterialwechsel festgestellt, dass Blut am inneren Teil des Inkontnenzmaterials (Vorderseite) war. Auf ihre Nachfrage sagte der Bewohner verstört, wie es dazu gekommen war. Der für den Bewohner peinlichen Vorfall wurde im Berichtsblatt der Bewohnermappe eingetragen. Arztvorstellung beim Urololgen erfolgte. Sollen wir seine Tochter von diesem Vorfall informieren oder nicht?

Unsere Meinung im gesamten Team ist, dass wir unsere Pfleglingen sowas nicht verbieten dürfen und können. Es gehört doch eigentlich zu den AEDL's von Frau M.Krohwinkel, AEDL 10: sich als Mann (oder Frau) fühlen. Oder ??? Wir haben unsere Bedenken, dass seine Tochter etwas schockiert reagieren könnte.

Volker
 
@flohri:
Will der Pat. das die Tochter informiert wird? Wenn nicht, dann ein klares Nein.

Gruß,
Lin
 
Hallo Lin,

vielen Dank für Deine Antwort. Das haben wir uns auch schon so gedacht. Also, besser nicht. Er hat nämlich Angst, das seine Tochter "komisch" reagiert".

Schönes Wochenende wünscht Volker!
 
Ehrlich gesagt hab ich das für einen Scherz deinerseits gehalten. Bzw. für eine absichtlich provozierende Aussage und Frage...
 

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